„A little bit of heartache“ (HIM Cover)

Sonne macht albern 😉 Auf gut Glück mal „Heartache Every Moment“ angerissen. 1-Minütige Coversongs sind meine Spezialität. Ich bin faul.

 

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Mit Sprunghaftigkeit zum Ziel

timeforchange.jpgNa, auch wieder was Neues angefangen, ohne die vorherige Sache zu beenden?

Lange habe ich gedacht es sei eine Schwäche Dinge zu beginnen, ohne sie abzuschließen. Dabei gibt es kaum eine organischere Möglichkeit sich Skills und Wissen anzueignen. Vor allem wenn es ein übergeordnetes Motiv gibt, sind Ablenkungen oft zielführender, als ein strenger Fokus ohne wirkliche Produktivität. Das gilt umso mehr für ein ADHS-Gehirn, das Leistung eher schubweise, als kontinuierlich anstößt.

Die Erkenntnis ist mir nicht neu, aber sie ist endlich wieder aktuell. Ich fragte mich seit längerem wieso ich plötzlich den Drive verloren habe Projekte zu verwirklichen. Da gibt es ein Buch mit Schreibblockade, eine Band ohne Bandproben, einen Event den ich zwei Kollegen überlassen habe und trotzdem bin ich disziplinierter denn je. Eingebunden in Pflichten, konfrontiert mit Visionen, die andere Leute für mich haben. Dazu fürchterlich kleinlich mit meinem Alltagsscheiß. Ich habe mich festgebissen.

Was also tun?

Ganz einfach: Chaos stiften!

Manchmal hilft eine Erkältung. Auch diesmal hat sie mich aus meiner Routine geworfen, Ruhe reingebracht. Und als ich so außerplanmäßig meine ungeplanten Kalorien wegspazierte, ist mir klar geworden, dass ich was Neues machen muss. Vielleicht um das alte fertigzustellen … oder auch nicht.

Deswegen werde ich jetzt einen Podcast produzieren. So richtig mit Script, Vorproduktion, Interviews und terminierten Folgen. Gegliedert in mindestens 2 Staffeln, veröffentlicht auf iTunes und Spotify. Kein Amateur-Kram, richtig guten Talk mit Mehrwert.

Und plötzlich war sie da wieder, die Motivation. Und dann ging alles ganz schnell:

– Name ausgedacht
– Logo designt
– Konzept niedergeschrieben
– Domain gesichert
– Distribution geklärt

Und während ich so über Content-Ideen sinnierte, fielen mir direkt ein paar neue für mein Buch ein. Sieh mal einer an. Und das beste daran: Im Optimalfall ergeben sich Synergien, die beiden Projekten zugute kommen. Ein Hoch auf die Sprunghaftigkeit!

Nachruf: Das ewige Heimkind

smoking-pixabay

Eines muss man dir lassen – du hast es so hartnäckig geschafft dich in mein Leben zu drängen, dass ich das Unvermeidliche nicht unkommentiert lassen kann. 2015 wolltest du heiraten und bist stattdessen gestorben. Vor wenigen Tagen habe ich es erst erfahren. Konsequenter Abgang. Mein Mitleid gilt den Menschen, die du auf deiner Spur der Verwüstung mitgerissen und hinter dir gelassen hast.

Ich kenne deine Vorgeschichte nicht. Du hast mich zwar zu einer Art besten Freund erklärt, aber was genau dazu geführt hat, dass du so jung in einem Heim für schwer erziehbare Kinder gelandet bist, kann ich nur mutmaßen. Es reicht jedenfalls nicht aus, Verständnis für dich aufzubringen. Dafür war dein Verhalten willentlich zu destruktiv.

Da waren diese Momente in denen ich gespürt habe, dass du Liebe in dir trägst. Deine Mutter hast du geliebt, das war offensichtlich. Die Tatsache, dass meine bissige Ratte bei dir aufgeblüht ist und handzahm wurde, hat mir Respekt abverlangt. Manchmal hast du auch mir ein Gefühl von Wertschätzung vermittelt, aber natürlich nicht, ohne es im nächsten Augenblick komplett zu zerstören. Passend dazu, dass du an der Aktion mitschuldig warst, als ihr meine Maus in der Bong geraucht habt und dann auf die glorreiche Idee kamt sie unter dem Wasserhahn wiederbeleben zu wollen. Ihr verdammten Idioten!

Ich war 15 Jahre alt, als du plötzlich in meinem Freundeskreis auftauchtest. Ich hatte keine Ahnung wer du warst. Auf einmal warst du zu jeder Gelegenheit da. Deine Heimkind-Gepflogenheiten waren für einen Jungen wie mich, der gerade seine erste Zigarette geraucht und verstohlen eine Flasche Apfelkorn Abends auf dem Schulhofgelände mit seinen Kumpels geleert hat, zu viel. Für mich war es ein Abenteuer, für dich Alltag. In deinem Rucksack haben gewohnheitsmäßig die Bierflaschen geklirrt, kiffen war dein rauchen und Störkraft war für dich normale Musik.

Ich weiß nicht warum ich es zugelassen habe, dass du für etwa drei Jahre meine Jugend geprägt hast. Warum auf einmal nur noch du da warst. Vermutlich hast du es geschafft den Anteil in mir, der eine männliche Vorbildrolle vermisste, anzusprechen. Du warst ein Riesenarschloch, aber du hast mir gezeigt, wie man sich als nicht angepasster Junge durchsetzt. Du hast den Teil in mir angesprochen, der ein dringendes Bedürfnis hatte zu rebellieren. Und irgendwie hast du es geschafft mir deinen verqueren (Selbst-)gerechtigkeitssinn zu verkaufen. Ich entschuldigte dein Verhalten immer wieder, egal wie groß der Mist war, den du angestellt hast.

Als wir zu deinem Bekannten fuhren, der dir Geld schuldete, hatte ich das Gefühl wir spielen nur Gangster. Aber du hast nicht gespielt. Fassungslos sah ich mit an, wie du den eingeschüchterten jungen Mann ausraubtest, ihn verbal dafür erniedrigt hast, dass er sein Geschirr in der Badewanne spülte und dich ganz stark und männlich dabei fühltest vor seinen und meinen Augen drauf zu pissen. Ich habe dir in meiner dümmlich-weichen Art zwar zu verstehen gegeben, dass ich das nicht cool fand und innerlich auch schon einen Plan geschmiedet, wie ich dich aus meinem Leben verbannen könne. Aber dir entschieden entgegenzutreten – das habe ich mich zu selten gewagt. Hier hätte ich es tun müssen. Es wäre meine Pflicht gewesen. Stattdessen war ich nahezu regungslos. Ich erlebte alles wie im Nebel. Als wäre ich in einem Film.

Dass du LSD unter die Salamischeibe meiner Pizza gelegt hast – geschenkt. Dass du meinen Kühlschrank regelmäßig leertest und mir eingeredet hast, ich müsse im Gegenzug dafür dankbar sein, dass du ständig was zu kiffen mitbrachtest – schräg. Ohne dich hätte ich kaum die Entscheidung getroffen, die beste Zeit meiner jungen Jahre zugedröhnt zu verbringen. Ich musste viel verlieren und volljährig werden, um zu verstehen welche Mechanismen hier greifen und dass ich dir nichts schulde. Am schmerzhaftesten wog der Verlust meiner ersten Liebe. Ich lebte ein Parallel-Leben. Bei ihr konnte ich sein wer ich war, mit dir spielte ich Ghetto-Junge. Und weil beides nicht zusammenpasste, hielt ich euch möglichst fern voneinander. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern was sie sagte, als es vorbei war. Aber ich weiß, dass es all das war. Die Zeit, die ich an dir verlor. Die Dinge die ich durch dich tat und dachte – daran ging diese Liebe kaputt.

An dem Abend, als ich das Gesöff trank, das du im Supermarkt geklaut hast und all die Widersprüche in mir kaum noch auszuhalten waren, lärmten wir mit der Clique so spät herum, dass die Polizei sich dazu berufen fühlte mit einer halben Armee anzurücken. Dieser unverhältnismäßige Aufmarsch machte mich wütend und in meinem besoffenen Schädel beschimpfte ich die Polizisten, die ihrerseits nicht zimperlich auftraten. Weil ich vermutlich zu viel Braveheart geguckt hatte, dachte ich es wäre meine heilige Pflicht gegen dieses Unrecht zu kämpfen, aber da war plötzlich keiner mehr. Ich rannte ihnen in die Arme, du ranntest mit den anderen davon. Sie schlugen mir einen Zahn mit der Taschenlampe aus, brachten mich aufs Revier, beschimpften mich rassistisch und karrten mich anschließend nach Hause, wo ich zitternd und verstört mit meinem Schock alleine war. Irgendwann kamst du dann an. Und plötzlich warst du normal, zeigtest dich einfühlsam, botest mir unbeholfen dein Allheilmittel an – einen Joint. Jetzt war ich endlich auf deinem Level. Jetzt sprachen wir die gleiche Sprache. Ich hatte mir deinen Respekt verdient.

Etwa ein halbes Jahr später hatte ich dich weitestgehend aus meinem Leben verbannt. Ich hatte genug von dieser Scheiße. Ich spielte Shadowrun mit coolen Leuten, hörte wieder mehr Musik, die mir wirklich gefiel, anstatt mich dir und den anderen Deppen anzupassen. Lernte langsam, dass ich nicht nach dem Recht des Stärkeren leben musste und einfach so gemocht wurde wie ich bin.

Aber du wirktest lange nach. In jedem Wutanfall, den ich später hatte, steckte ein Teil von unserer Beziehungsdynamik. In dem Misstrauen gegenüber anderen Menschen, verbirgt sich ein Teil deiner Menschenverachtung. Die Schäden, die du meinem Selbstwert zugefügt hast, haben mich weit bis ins Erwachsenenalter geprägt. Die drei Narben, die ich wegen dir habe, sind für immer sichtbar. Und das von uns so glorifizierte Scheitern ist zu einem Motiv geworden.

Jetzt habe ich dich also überlebt. Und als ich um die Zeit deines Todes herum ein Bild von dir auf Facebook fand, das dich als besessenen Amphetamin-Junkie mit knallrotem Gesicht zeigte, ein anderes als Gerüstbauer mit „Stalingrad“-Kapuzenpulli und irgendwelche bunten, verstörenden Bildchen als Anspielung auf deinen Drogenkonsum – da war mir auch klar, dass du nie aufgehört hast der 16-jährige Problemfall zu sein. Die Geschichte konnte gar nicht anders enden. Wahrscheinlich fehlte auch dir ein gesundes männliches Vorbild, aber du warst alt genug um dein eigenes zu werden.

 

Rant: Lifestyle Baukästen vs Authentizität

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Alle haben heutzutage irgendwie ein „Ding“. Irgendein super-spleeniges Hobby, eine politische Agenda oder zumindest eine Macke. Hab‘ ich auch. Sogar alles zusammen. Aber eines habe ich nicht – Lust mit anderen zu konkurrieren und mich über eine Sache monothematisch zu definieren.

Mir reicht es Dinge grundlegend zu verstehen. Etwas zu konsumieren, ohne es anschließend zu sezieren. Ein Thema aus einer bestimmten Perspektive zu betrachten und dann einfach aus einer anderen. Scheinbar zusammenhängende Dinge voneinander zu entkoppeln. Auch habe ich kein Problem damit, nicht zu wissen was ich tue, so lange das Ergebnis stimmt. Warum soll ich „B“ sagen, nur weil ich „A“ gesagt habe? Wozu im Tunnelblick feststecken? Das nächste Projekt wartet schon, die nächste Idee schießt in den Kopf, ein anderer Ansatz beschäftigt mich. Ich möchte in Theorie und Praxis flexibel bleiben.

„Das Ego in klare Markensprache gepackt – Ersatzidentität.“

Leider ein recht einsames Unterfangen, denn viel zu viele Menschen haben das Bedürfnis sich zu etwas ganz und gar zu bekennen und ein möglichst nachvollziehbares und fokussiertes Profil nach außen zu tragen. Das Ego in klare Markensprache gepackt – Ersatzidentität. Während hobbyistische Snobs ein recht harmloses Phänomen der Filterblasen- & Lifestyle-Baukasten-Kultur sind, wird’s im politischen, gesundheitlichen und sozialen Bereich schon arger. Dem Abweichler drohen Fanatismus, Hass und Ausgrenzung – wer die Kriterien der Zugehörigkeit nicht vollständig erfüllt und das erwartete Vokabular nicht anwendet, wird schnell Zielscheibe des Mobverhaltens der jeweiligen Gruppe. Und das sind mitnichten nur die „üblichen Verdächtigen“. Auch hinter Regenbogen-Flaggen und Sonnenblumen kochen schnell die Emotionen hoch. Impulsivität, mangelnde Reflektion und Tunnelblick sind das eigentliche Gift, ganz gleich wer es versprüht. Über Inhalte kann und sollte man an sich hingegen reden. Tun wir das nicht, werden die gefühlten Realitäten immer weiter auseinanderklaffen.

„Ich glaube nicht an ein Dasein ohne Ambivalenz.“

Ich glaube nicht an ein Dasein ohne Ambivalenz. An Wahrheiten ohne Zweifel. An Schablonen und Dogmen. Sehr wohl räume ich aber ein, dass nicht jede monothematisch interessierte Person Selbstdarstellungsinteressen verfolgt. Flankiert werden Selbstdarsteller jedoch gerne von Fachidioten – echte Reflektion darf man in diesem Fall ebenso wenig erwarten, allenfalls sehr spezifisches Wissen, das im besten Fall auf Fakten basiert.

Unaufgelöste Widersprüche, nicht weiter vertieftes Teilinteresse, Wandel und Perspektivenwechsel gehören zu mir. Ich werde mich für falsche Harmonie nicht auf ein Klischee herunterbrechen. Es wird mir jedoch immer ein Rätsel bleiben, warum es so vielen meiner Mitmenschen zu reichen scheint. vorgekaute Formate als ihre Lebensrealität anzunehmen. Wie soll eine Persönlichkeit reifen, wenn sie an Status und Fassade gekoppelt ist?

Ich will vieles wissen, einiges können, die ein oder andere gute Sache unterstützen aber nichts anderes sein, als ich selbst. Am liebsten ohne Anpassungskonflikte, im Zweifelsfall jedoch zugunsten meiner Integrität.

Mein (Musik-)jahr 2018

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2018… ein Jahr, das mir meine ganze Kraft abrang und mich dennoch nicht kleinbekam. Nun ist es endlich Geschichte und es ist trotz allem auch ein Musikjahr gewesen. Der ultimative Treuebeweis: Wenn mich die Musik selbst im Existenzkampf nicht verlässt, wird sie es wahrscheinlich niemals tun.

Ganz im Gegenteil. Als ich nach meiner Trennung den Boden unter den Füßen zu verlieren drohte, ließ mich ein guter Freund bei ihm für eine Weile einziehen und munterte mich direkt zur Begrüßung mit diesem FREDDIE KING Klassiker auf –  die pure Katharsis:

Selbst erfüllte ich mir einen Herzenswunsch und brachte meine neu gegründete Doom Metal Band APOLLOW für einen Auftritt auf der letzten Ausgabe unseres COLOGNE METAL FESTIVAL auf die Bühne. Sechsmal veranstalteten wir den Event und am Ende schaffte ich es doch noch das Festival mit eigener Musik zu rocken. Ein perfekter Abschluss!

Ein weiteres Projekt startete ich mit meiner guten Freundin und Ex-Bandkollegin Julia – THE CROW & THE PHENIX – drei Songs sind bereits auf Youtube verfügbar, an weiteren wird noch gearbeitet.

Sehr gefreut habe ich mich außerdem darüber, nach längerer Pause, wieder ein paar Mal hinter dem DJ-Pult gestanden und Tanzflächen beschallt zu haben.

Natürlich habe ich meine Lauscher auch für neue Musik aufgesperrt, wobei ich umständehalber etwas weniger am Puls des Geschehens war als für gewöhnlich.

NEWCOMER 2018

Ehemalige HIM und AMORPHIS Musiker krallten sich einen neuen Frontman und stellten ordentlichen Dark Rock im Stile der „Venus Doom“ (2007) HIM-Scheibe mit poppiger Note auf die Beine. Nicht sonderlich innovativ, aber genau mein Geschmack.

SONGS 2018

1. JUDAS PRIEST – Firepower

Unter der Regie von Produzenten-Ass Andy Sneap haben sich Judas Priest auf ihre alten Tage nochmal aufgefrischt. Das Ergebnis ist klassischer Metal ohne Fehl und Tadel. Kompakte Songs, aufs Wesentliche reduziert, tolle Hooklines, fettes Soundgewand und ausgestattet mit allerlei Reminiszenzen zu den Frühwerken der Band.

2. TREMONTI – A Dying Machine

Mark Tremonti (Ex-Creed, Alter Bridge) ist ein moderner Gitarrenheld und unterscheidet sich doch ganz wesentlich von seinen Vorgängern der 80er Jahre. Seine Soloalben wirken zu keiner Zeit selbstbezogen, räumen immer dem Song Priorität ein und das exzellente Handwerk ist dabei nur noch das Salz in der Suppe. Understatement pur. Das Ergebnis ist moderner US-Rock / Metal im Stile von Stone Sour oder der Hauptband des Saitenhexers selbst. Der Titeltrack hat es mir im speziellen angetan.

3. KAMELOT – Ravenlight

Mit den KAMELOT der Tommy Karevik-Ära verbindet mich eine Hassliebe. Die Band ist immer noch gut genug, um in meiner Top-Liste zu landen, aber es fehlt das Stückchen Seele der früheren Jahre, die vor allem Ex-Sänger Roy Khan in die Musik brachte. Dieser ist überraschenderweise wieder mit seiner alten Band Conception aus dem Ruhestand zurückgekehrt. Deren EP „My Dark Symphony“ hat leider nicht die songwritrische Klasse und Griffigkeit, die man von Kamelot gewohnt ist. Und so hat sich in diesem Fall der beste Song beider Werke durchgesetzt und ist auf meinem dritten Platz gelandet. Ich freue mich dennoch sehr darüber, dass mein Lieblingssänger zurück ist und sein Talent nicht mehr in einer Norweger Kirche verschwendet.

4. DISTURBED – Are You Ready

Da muss man nicht viele Worte zu verlieren. DISTURBED sind wieder da und sie klingen wie sie klingen sollen. Wenn ich einen kräftigen Arschtritt brauche – dieser Song liefert ab.

5. LONESHORE – Until The Last Of Hopes

Progressiver Dark Metal ist für gewöhnlich mein Lieblingsgenre, wenn ich mich in Musik richtig reinfallen lassen möchte. Ich bin da aber auch ein kleiner Snob und nehme nur wenige Bands aus dieser Ecke in meinen persönlichen Klangkosmos auf. Dieser Song hier war ein Tipp aus einer Facebook-Gruppe und hat überraschenderweise direkt gezündet. Das liegt sicherlich auch an der sehr ausladend zelebrierten Leadgitarren-Hook, die emotional komplett auf meiner Frequenz sendet. Aber auch der Fretless Bass und all die anderen kleinen Zaubereien machen den Song zu etwas besonderem.

ENTTÄUSCHUNG 2018

KATATONIA kündigen eine Pause auf unbestimmte Zeit an.

KONZERT 2018

Mal wieder waren es LACRIMAS PROFUNDERE, die mich mit ihrer 25-jährigen Jubiläumsshow am 16. November 2018 in Essen (Turock) live am meisten begeistern konnten. Eine der wenigen Bands, die mich als Metalhead auch mal das Tanzbein schwingen lässt. Der neue Sänger Julian Larre agierte erfreulich extrovertiert auf der Bühne und überzeugte mit einer authentisch-tiefen Stimme, die zu sämtlichen Phasen der Band-Diskographie passt. Ein perfekter Bonus war natürlich, dass meine Freunde von CRUD im Vorprogramm der Show rockten.

PERSÖNLICHES

Wie eingangs erwähnt, stand das Jahr 2018 im Zeichen eines großen Umbruchs in meinem Leben. Ich bin 40 Jahre alt geworden, habe mich von meiner langjährigen Partnerin getrennt, dabei auch meine Haustiere hinter mir gelassen und bin in eine neue Stadt gezogen. Dass dabei allerlei Stolpersteine im Weg lagen, brauche ich wahrscheinlich niemandem erzählen, der sowas schon mal durchgemacht hat. Und dennoch war es ein Jahr des Wachstums und der Stärke. Nun freue ich mich trotzdem wieder auf ruhigere Zeiten.

Was lief gut in 2018?

Ich habe so gut wie alle Ziele erreicht, die ich mir gesteckt habe und nicht eher geruht, bis meine Wohn- und Einkommenssituation wieder stabil war. In dem Prozess bekam ich mehr Hilfe und Zuspruch von verschiedensten Menschen, als ich dachte, wofür ich sehr dankbar bin.

Was war eine Herausforderung?

Das Jahr gesundheitlich zu überstehen war nicht einfach. Die Gefühle fuhren Achterbahn, die Bürokratie war ein Irrsinn, die Umzüge mühsam und kostenintensiv. Körper und Geist zeigten mir mehr als einmal meine Grenzen auf, allerdings erlebte ich mich dabei auch stabiler und kräftiger, als ich es selbst von mir erwartet hätte.

Womit habe ich neu begonnen?

Ich wurde schnurstracks in einen neu gegründeten Highland Games Clan aufgenommen, als ich in meine neue Heimat zog. Ende des Jahres begann glücklicherweise meine Therapie und kurz vor Weihnachten beschenkte ich mich selbst mit einem 8-wöchigen Fitness-Programm in einem guten Studio.

Was wünsche ich mir für 2019?

Ein Ende der emotionalen Talfahrt, mehr Energie für Arbeit und Projekte, weitere Erfolge bei Ernährung und Fitness, mehr Stabilität in den Beziehungen zu meinen Mitmenschen und das sichere Gefühl vorerst angekommen zu sein.

#RetroMontag Anekdote: Der Taperecorder

1077040_10200103270600665_865901489_o.jpgEs muss sprichwörtlich gebrannt haben in der Saarbrückener Legacy-Reaktion. Die Titelstory stand, aber kein Redakteur hatte Zeit nach Köln zu fahren und das Interview mit den damaligen Senkrechtstartern von GRAND MAGUS zu führen.

Ich habe keine Ahnung wie ausgiebig der Chefredakteur Björn-Thorsten bei der Vorstellung geseufzt hat, einen der unerfahrenen freien Schreiberlinge auf das Thema anzusetzen. Ich weiß nur noch, dass ich den Auftrag in ängstlicher Euphorie annahm. Er wusste nicht, dass mein erstes und letztes Face-to-face Interview zu diesem Zeitpunkt neun Jahre zurücklag und noch dazu mit einer befreundeten Münchner Band geführt wurde.

Ich hatte auch gar kein passendes Aufnahmegerät. Eine professionelle Lösung musste her also, die mich journalistischer wirken lassen würde. Es war 2010 und ich wählte einen Taperecorder.

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Journalistisches Profi-Tool!

Da stand ich nun am Tag X, wurde in einen Raum Bier trinkender und rülpsender Schweden gesetzt, packte das antike Ding aus und legte es zwischen uns auf den Tisch. Der glatzköpfige Frontman Janne schmunzelte und sagte er habe sowas schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Autsch!

Nachdem ich genug von meinem Gestammel, seiner Ausführungen und Rülpser gesammelt hatte, fuhr ich nach Hause und schrieb meine Titelstory. Und wie wir Schreiberlinge so sind, begann sich erst ab dem Moment, an dem ich durchatmen konnte alles zu fügen. Ich lieferte einen amtlichen Mehrseiter ab, behielt meinen Taperecorder und setzte ihn mit stolzer Brust noch ein par weitere Male ein. Er wurde quasi mein verschrobenes Trademark-Gadget.

Heute hält das Smartphone her. Funktioniert auch, ist vor allem praktischer, aber die Magie ist weg.

Mein Musikjahr 2017

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An das Jahr 2017 werde ich mich vor allem wegen der Live-Events zurückerinnern. Ich war u.a. in Hamburg, Köln, München und Amsterdam unterwegs, darunter auf der Guns ‚N‘ Roses Reunion-Tour (mit netter Anekdote*). Die Veröffentlichungen blieben hingegen hinter den Erwartungen zurück. Auf dem Papier waren durchaus interessante Releases angekündigt, einige davon verschoben sich jedoch aufs Folgejahr, andere konnten mich nicht wie erhofft abholen.

Alben spielten für mich insgesamt noch weniger eine Rolle, als bereits in den Vorjahren. Einzelne Songs gewinnen bei meinen Hörgewohnheiten an Bedeutung.

Abseits meiner Top-Tracks auf Spotify war ich vor allem mit eigenen Projekten beschäftigt. So veröffentlichte ich im Frühjahr den zweiten MIRRORED IN SECRECY Longplayer „Solitution“, mischte andere Bands ab und hörte mich durch Bewerbungen für das Cologne Metal Festival V.

Hier sind meine Tops & Flops des Jahres:

NEWCOMER 2017

Neben der Musik gibt es für mich kaum etwas unterhaltsames als gute Wrestling-Shows. Ein Glück, dass beides mittlerweile auf hohem Niveau zusammengefunden hat. Wrestler gehören heutzutage zu den besten Athleten der Unterhaltungsbranche und die musikalische Untermalung hat man in der WWE dem zweiköpfigen Produzenten-Team CFO$ überlassen, die den Charakteren die passenden Songs auf den Leib schneidern.

Sowohl CFO$ selbst, als auch der niederländische Wrestler Aleister Black, waren in beiden Welten meine Newcomer des Jahres. Der düstere Metalcore-Track „Root Of All Evil“ lebt von einer markanten Hookline und einer bedrohlichen Stimmung, die wie Blacks Faust auf das Auge seines Kontrahenten passt.

SONGS 2017

1. A Perfect Circle – The Doomed

Lange war es still um Oberschnösel Maynard James Keenan und seinen beiden Bands. Während alle Welt ein neues TOOL Album erwartet, kam stattdessen ein unerwartetes A PERFECT CIRCLE Lebenszeichen um die Ecke – und was für eines. Mit „The Doomed“ ist es den Progressive Rock Allstars gelungen die Post Rock Formel in ein Hit-Format zu übertragen und dabei gleichzeitig eine Message zu transportieren, die mitten ins Herz trifft.

What of the pious, the pure of heart, the peaceful?
What of the meek, the mourning, and the merciful?
All doomed
All doomed

2. In This Moment – Roots

Sexy, verrucht, zerbrechlich – keine Sängerin mimt die White Trash Barbie so treffsicher wie Maria Brink. IN THIS MOMENT haben mit dem Album „Ritual“ erneut ins Schwarze getroffen. Trotz Gastsänger- und Cover-Overkill wohlgemerkt. Interessanterweise sticht vor allem ein Song heraus, der ohne Zuhilfenahme von Gästen entstand. „Roots“ ist ein energiegeladener, trotziger und super-griffiger Brecher für die Metal- und Alternative-Tanzflächen dieser Welt. Bleibt zu hoffen, dass die Truppe bald wieder an Selbstvertrauen gewinnt. Die Tour-Absage, die schwächelnde visuelle Umsetzung des Videos und die Gastbeiträge zeichnen das Bild einer Band, die derzeit mit sich zu kämpfen hat. Selbst in so einer Phase sind IN THIS MOMENT jedoch ein unverzichtbarer und einzigartiger Teil der Rock- & Metalszene.

3. Casper – Sirenen

Mit einem Jahr Verzögerung schaffte es das neue CASPER Album „Lang lebe der Tod“ endlich in die Läden. Der Titeltrack bombt immer noch alles weg, das nicht bei drei auf den Bäumen ist, wurde jedoch schon letztes Jahr veröffentlicht. Deshalb ist diesmal der zweitbeste Track des Albums in meiner Top 5 gelandet: „Sirenen“.

Der Künstler und sein Team haben ihren Riecher mal wieder am Puls der Zeit gehabt und mit diesem Song quasi die Vorab-Hymne zum G20-Desaster verfasst.

4. Anathema – The Optimist

Die britischen Melancholiker mögen einiges von ihrem früheren Biss eingebüßt und vielleicht nicht immer ganz ihrem Potential entsprochen haben. Dennoch gelingt es ANATHEMA immer wieder seelenstreichelnde Songs zu schreiben, die einen ganz weit weg tragen von allem was laut, chaotisch und überfordernd ist. „The Optimsit“ ist eine solche akustische Insel für audiophile Eskapisten.

5. Nigel Stanford – Automatica

Elektronische Musik ist normalerweise nicht ganz mein Beuteschema. In diesem Fall ist es allerdings das perfekte audiovisuelle Zusammenspiel aus Musik und Video. Der Song alleine funktioniert für mich nur halb so gut. Ein wirklich herausragendes, detailverliebtes Werk, das für mich mehr Kurzfilm als klassisches Musikvideo ist.

ALBEN 2017

1. In This Moment – Ritual

2. Casper – Lang lebe der Tod

3. Anathema – The Optimist

4. The Beauty Of Drowning – Sun

5. Life Of Agony – A Place Where There’s No More Pain

ENTTÄUSCHUNG 2017

Seit „Icon“ (1993) bin ich ein großer PARADISE LOST Fan. Die Musik der britischen Gothic Metal Legenden hat mein eigenes Schaffen maßgeblich geprägt. Keines ihrer Werke hat mich bislang jedoch so enttäuscht, wie das diesjährige „Medusa“. Die Doom Metal Gemeinde mag sich über weiteren Zuwachs gefreut und Fans der Frühphase nostalgische Empfindungen verspürt haben, aber „Medusa“ fehlt es an Feinschliff, Identität und Eigenanspruch. Zielgruppe analysiert, Zielgruppe bedient. Sieht nach Underground aus, ist aber nur mutloses Format.

KONZERT 2017

Es sind nicht immer die schönen Erinnerungen, die uns prägen. Mit dem Hamburger ANATHEMA Konzert verbinde ich eine leidvolle Erfahrung, die sich am Ende trotzdem gelohnt hat. Weil ich gelernt habe, bittersüße Empfindungen mitnahm und Veränderungen angestoßen wurden. In diesem Fall war das Konzert selbst nicht mehr als Hintergrundberieselung für den Film, der sich auf der Leinwand meines Lebens abspielte.

Setlist – Anathema. 01.11.2017 – Hamburg

Ehrenhalber sei hier auch das GUNS ‚N‘ ROSES Konzert in München erwähnt, das ich nach fast genau 25 Jahren endlich nachholen konnte. Zur damaligen Use Your Illusion Tour konnte ich nicht gehen, da sie mit einer Klassenfahrt nach Dänemark kollidierte. Das Cover von „Black Hole Sun“ als Hommage an den wenige Tage zuvor verstorbenen Chris Cornell war ein epischer Moment, den ich so schnell nicht vergessen werde.

Setlist – Guns ‚N‘ Roses, 13.06.2017 – München

Eine kleine *Anekdote gab es in Verbindung mit diesem Konzert auch noch. Schon auf der Hinfahrt im ICE von Köln nach München fiel mir auf, dass sich KAMELOT-Keyboarder Oliver Palotai in der Sitzreihe vor mir befand. Ich ließ den Mann in Ruhe, da er sich im Gespräch befand und schenkte ihm lediglich mein ausgelesenes Rock Hard Magazin, ohne zu verstehen zu geben, dass ich ihn erkannt hatte. Als er jedoch auf der Rückfahrt wieder in meinem Abteil saß, betrachtete ich es als Wink des Schicksals, sprach ihn an und zeigte im mein Cover von „Song For Jolee“ via Smartphone. Er bezeichnete es als eines der wenigen gelungenen Youtube-Cover des Songs und fand lobende Worte für meine Interpretation:

EIGENE MUSIK 2017

Apropos eigene Musik – dieses Jahr tanzte ich auf drei musikalischen Hochzeiten. Neben dem Release von „Solitution“ (Album auf Bandcamp) nahm ich eine Demo für ein neues Projekt auf und arbeite gerade mit zwei befreundeten Musikern an dessen Live-Umsetzung. Außerdem habe ich mit meiner guten Freundin und MIRRORED IN SECRECY Ex-Sängerin Julia an verschiedenen Songs gearbeitet, die wir 2018 als Duo in einem Nebenprojekt veröffentlichen werden.

Mirrored In Secrecy – Megrim (Album Track)

„Solitution“ ist auch in folgenden Stores erhältlich:

iTunes
JUKE!
Amazon

DEINE FAVORITEN

Was passierte in deinem Musikjahr 2017? Lass es mich im Kommentarfeld wissen 🙂

Der schmale Grat: Produktivität mit ADHS

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Meine Devise ist „learning by doing“. Am wohlsten fühle ich mich, wenn ich ohne großen Theorie-Ballast ins kalte Wasser springe und mich ausprobiere. Gelernt habe ich dabei viel, Projekte erfolgreich ins Ziel geführt vergleichsweise selten. Das kompensiere ich mit der Frequenz, in der ich neue Projekte starte. Hier und da gelingt dann auch mal ein Volltreffer, wie die Umsetzung eines eigenen Festivals, eine Buchveröffentlichung und andere abenteuerliche Dinge, die mich begeistern, aber nur allzu selten finanzieren.

Ich kann noch so oft von meinem Netzwerk und diverser Fachliteratur darin bestärkt werden, dass mein irrational sprunghaftes Verhalten meiner Hirnchemie geschuldet ist. Der einzige, der sich weigert mich von Schuld freizusprechen, bin ich selbst. Mein Anspruch dem allgegenwertigen Idealbild des „normal funktionierenden“ Menschens zu genügen, ist natürlich auch äußeren Zwängen geschuldet, aber das Leben macht man sich mit Selbstvorwürfen garantiert nicht leichter.

Leerlauf in Überschallgeschwindigkeit

Von meinem Antrieb könnten viele Menschen grundsätzlich eigentlich nur träumen. Vor allem in jüngeren Jahren war ich eine Ideen-Maschine und permanent im Lernmodus. Ich habe zwei Ausbildungen abgeschlossen, einige weitere angefangen und mich autodidaktisch fachfremd weitergebildet. Ich bin Medienkaufmann, Audio Engineer, Musiker, Autor, Eventmanager, PR- & Social Media Manager uvm. – und das sind nur Berufsfelder in denen ich tatsächlich ausgebildet bin oder gearbeitet habe. Darüber hinaus habe ich mich mit Medienpädagogik beschäftigt, mit Online-Marketing, war 2014 / 2015 kurz davor mit einem eigenen Shop für Indie-Literatur durchzustarten und kenne mich notgedrungen hervorragend mit den Irrungen und Wirrungen der menschlichen Psyche aus, was mich in meinem privaten Umfeld zu einem beliebten Ansprechpartner macht.

Trotzdem antworte ich auf die Frage, was ich derzeit gerade mache häufig mit „nichts“ oder „das übliche“. Denn in der Tat ist mein Multitalent in der Praxis kaum zu gebrauchen. Erstens weil der Markt in der Regel den schmalbandig ausgebildeten Spezialisten benötigt, zweitens weil meine Hirnbotenstoffe etwas gegen Kontinuität haben. So lange ich zu unterschiedlichen Zeiten an mehreren Projekten werkeln und frei gestalten kann, sprudelt das Dopamin von selbst. Kann ich mir monetär betrachtet aber nicht leisten, weshalb die Dienstleistung ein weiterer wichtiger Baustein meiner Existenz ist. Umso fremdbestimmter und fachfremder die Aufgabe, desto mehr machen sich Prokrastination, Ermüdung und Anspannung breit. Mein sonst so frei sprudelndes Gehirn muss fokussiert und zielgerichtet Aufgaben nach externen Vorgaben umsetzen. Es wehrt sich gegen diese Einengung und verlangt nach Ablenkung – eine ungesunde Abwärtsspirale aus grundsätzlichem Willen zur Produktivität, aber mangelnder Umsetzungsfähigkeit nimmt ihren Lauf.

Allheilmittel Ritalin?

Zum Glück gibts da auch was von Ratiopharm. Oder korrekterweise – von der MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG. Das Produkt nennt sich Medikinet Adult und ist die einzig zugelassene Variante von Ritalin für ADHS im Erwachsenenalter.

Und ja – das Zeug hilft wirklich. Für den Zeitraum von vier bis sechs Stunden gleichen sich Motivation und Fokus dem Niveau natürlich funktionierender Menschen an. Eine Arbeitsmaschine wird man damit nicht automatisch, aber man kann sich mit weitaus weniger Einsatz von Disziplin dazu bringen, unliebsame Aufgaben anzugehen und angefallenes Chaos zu entwirren.

Leider geht der Prozess nicht ganz nebenwirkungsfrei vonstatten. Das gefürchtetste Phänomen ist der Rebound – ein spürbares Abklingen der Wirkung, einhergehend mit Verstimmtheit, bis hin zu ängstlich-depressiver Unruhe. Zwar reduziert sich dieser Effekt bei regelmäßiger Einnahme, allerdings auch die Wirkung. Dosiert man irgendwann hoch, ist der Rebound proportional zur Wirkung wieder da.

Aus diesem Grund nutze ich Medikinet Adult eher als Bedarfsmedikation in niedriger Dosis. Zumal es in vielen Momenten unpassend ist. So verstärkt es bspw. Adrenalin-geladene Situationen wie Sport oder Gesang, so dass große Nervosität entsteht. Im Extremfall Panik. Ich betrachte das Medikament als einen Booster, um zähe Routinearbeit am Schreibtisch durchzuboxen. In dem Kontext ist es unschlagbar und der Rebound wird von dem entspannten Gefühl endlich wieder etwas geschafft zu haben abgefedert.

Kleine Komfortzone und unerträgliche Passivität

Sowohl mit, als auch ohne Medikation, ist ADHS mit erheblichen Stimmungsschwankungen verbunden. Schnell schlägt es nach oben in Richtung Stress, oder nach unten in Richtung depressive Verstimmung aus. Der Wohlfühlbereich in der Mitte ist schmal. Passive Unterhaltung, wie Filme oder Serien, kann kaum genossen werden. Schnell macht sich Unruhe breit und das Gefühl sich bewegen oder etwas erledigen zu müssen. Wenn ein Buch in die Hand genommen wird, dann kein Roman, sondern Fachliteratur. Man könnte ja was verpassen. Und wenn das alles gerade zu stressig ist, dann wird multitaskend prokrastiniert. Auf dem Rechner sind mindestens ein Fenster Facebook und ein Fenster Youtube geöffnet. Auf dem Schreibtisch liegt das Smartphone. Ablenkung ist alles. Videospiele gehen gerade noch so ohne parallele Nebenbeschäftigung. Wenn es einfach genug ist um schnell Belohnungen auszuschütten, aber gerade noch so fordernd, dass man das Gefühl hat die Erfolge verdient zu haben. Mit zunehmendem Alter schlafe ich beim zocken allerdings auch gerne schon mal ein.

Geheimtipp für Betroffene: ASMR

Da wir ADHSler ständig unter Strom stehen – unabhängig wie erfolgreich wir dabei sind – sehnen wir uns dementsprechend oft nach wirklicher, tief empfundener Ruhe. Viele finden diese im Sport, anderen helfen progressive Muskelentspannung, Yoga oder Meditation.

Ich persönlich kann nichts aus den herkömmlichen Methoden ziehen. Sport ist ein Stressor, den ich allenfalls zur Gewichtsreduktion in Kauf nehme und bei Meditation krieg ich zuviel.

Was mir jedoch hilft meditative Sphären zu erreichen, sind binaurale Klänge, erzeugt von ASMR-Artists auf Youtube. ADHS verlangt nach permanenter Stimulation, statt nach Ruhe. Die dreidimensionalen Geräusche, die mittels Fingertippen auf Holz rund um den Kopf herum erzeugt werden und zahlreiche andere akustische Sensationen, lösen bei mir ein tiefes Gefühl von Entspannung aus. Es hilft Abstand von mir selbst zu gewinnen und mit dem Moment zu verschmelzen. Ich sehe es als eine Art „Meditation mit Krücke“ und ich bin froh etwas gefunden zu haben, das es mir erlaubt diesen heilsamen Zustand ebenfalls zu erfahren.

Eure Erfahrungen?

Wie ist es bei euch? Habt ihr selbst oder in der Familie Erfahrungen mit ADHS? Ist das Thema neu für euch und habt ihr Fragen? Ich freue mich über Austausch zum Thema!