„Hurt“ (Cash Version)

Fragment:

Eine kleine Aufnahme, um mein neues Akustik-Setup zu testen.

Und weil’s zur Stimmung im Moment passt:

Wie man ohne großen Plan 40 Kilo abnimmt

Pizza-diät

Erst dachte ich mir ja ich sollte so einen Text nicht schreiben, weil ich kein Experte bin und auch keine tolle Methode anzupreisen habe. Als ich so darüber nachdachte, wurde mir bewusst, dass DAS genau der beste Grund ist meine Erfahrungen weiterzugeben.

Denn ich will euch nichts verkaufen, dieser Blog will keine große Aufmerksamkeit und dementsprechend ist hier nichts SEO-optimiert oder mit Links zugepflastert. Ich will nur eben loswerden wie ich mein bisheriges Zwischenziel erreicht habe.

Erst mal die Fakten: Seit 2016 herum langsamer, kontinuierlicher Gewichtsverlust ohne Jojo-Effekt. Ausgangsgewicht 142,5 Kilogramm. Jetzt bin ich bei knapp 105 kg. Meine Hosengröße liegt zwischen 40 / 42. Das heißt ich kann endlich wieder normale Klamotten in normalen Läden kaufen. Einer der wichtigsten Meilensteine für mich.

postmilk

Der Moment an dem es „Klick“ machte

Bei der Gamescom 2015 band ich mir am Eingang die Schuhe, hatte Probleme wieder hochzukommen, bog mir dabei den Daumen um und konnte kein Spiel anzocken, weil ich vor Ort noch einen Verband bekam. Das alles weil ich zu fett war mich hochzuwuchten. Das war Auslöser Nr. 1 für die „So kann es nicht weitergehen“-Haltung. Desweiterem gab es bereits den Beschluss mich vegan ernähren zu wollen. Für die Umwelt und für mich. Das habe ich nicht geschafft, als wurde vegetarisch daraus. Ich habe am Anfang weder Kalorien gezählt, noch Sport gemacht. Einfach nur mal keinen Scheiß mehr gegessen und festgestellt, dass ich permanent satt war und plötzlich ein paar Kilos purzelten.

Ich fing also an mich regelmäßiger zu wiegen und noch mehr auf die Energiezufuhr zu achten. Nach langem Kampf mit mir ging ich zusätzlich ein paar Male schwimmen. Ich wollte mich mit so hohem Übergewicht nicht zeigen, also schwamm ich mit einem dafür geeigneten Hemd. Anderer Sport kam nicht in Frage, da ich noch zu schnell außer Puste war und unter meinem Eigengewicht litt.

Neue Gewohnheiten

Ernährungstechnisch entwickelte ich ein paar Vorlieben, die bis jetzt anhalten: Haferflocken mit Pflanzenmilch zum Frühstück (+ Banane, Datteln oder Cranberries reingeschnippelt) und Couscous mit Gemüse und Curry-Sauce waren zwei meiner Go-To Gerichte. Sowohl Haferflocken als auch Couscous sättigen ewig lang und gleichen den Blutzuckerspiegel aus. Wenn ich heute mal Gebäck beim Bäcker kaufe, habe ich nach 2 Stunden ein Loch im Bauch und könnte das doppelte nochmal essen. Ich versuche das also zu vermeiden.

Im Windschatten der Krise

Die ersten 20 Kilo purzelten schnell ohne große Anstrengungen. Dann kam es zu einem Bruch in meiner Biographie. Meine langjährige Beziehung zerbrach und ich hatte ein brutales Übergangsjahr. Da nahm ich dann quasi vom Stress weiter ab. Ich wohnte an drei verschiedenen Übergangsorten bevor ich meine eigene Wohnung hatte. Ich musste sehr viel rennen, später auch schleppen und heimwerkeln. Dabei baute ich allerdings mehr Kondition als im Schwimmbad auf. Ich achtete nicht mehr so auf die Ernährung, nur vegetarisch sollte sie sein. Also kaufte ich Convinience-Fraß wie abgepackte Wraps und Fertigsalate. Knäckebrot und Gouda für „Zuhause“. Kochen war nicht vorgesehen. Ich bestellte auch öfters mal Pizza, aber trackte die Kalorien mittlerweile in einer Fitness-App. So lange die Bilanz ausgeglichen war, stellte auch die Pizza kein Problem dar. Das gefiel mir. Schließlich ist Pizza mein Lieblingsgericht.

So nahm ich also eine Weile mit Fast Food und Umzugsstress ab und erfreute mich daran, dass man eigentlich nichts zu wissen brauche, als die Kalorienbilanz um Gewicht zu verlieren. Grundsätzlich sehe ich das immer noch so, aber Gesundheit ist halt schon auch wichtig. Also entwickelte ich nach Einzug in meine neue Wohung ein Mischkonzept aus der gesünderen vegetarischen Ernährung aus Beziehungszeiten und den leckeren, unkomplizierten Sünden, die ich mir in der Umzugszeit gegönnt hatte. Allerdings ging es nun ein klein wenig langsamer voran. Schliesslich sank ja auch der Grundumsatz mit den schwindenen Massen.

sport

Endlich fit genug für Sport

Im Winter startete ich deshalb einen 8-wöchigen Kurs in einem Fitnessstudio. Ein Meilenstein für mich, weil ich mir das früher gar nicht zugetraut hätte. Aber es funktionierte gut. Ich war halbwegs diszipliniert, protokollierte weiter brav Kalorien und versuchte hier und da auch mal was zu kochen. Daran ärgerte mich aber, dass sich das nicht so leicht tracken ließ wie fertige Lebensmittel, welche die App schon kennt.

Nach dem Kurs war ich bei etwa 115 Kilo. Da ging recht schnell nochmal einiges runter. Dann gab es erst mal eine Sportpause, aber ich ging viel spazieren um „Schritte zu sammeln“, die meine App ja auch trackte und ich trainierte mit ein paar 5 Kilo Kurzhanteln Zuhause. Mittlerweile hatte sich alles gut eingependelt. Ein paar Tricks kannte ich nun auch. Zum Beispiel, dass Kaffee erst nach dem Frühstück getrunken werden sollte, weil er verdauungsanregend ist.

Im Juni 2019 meldete ich mich bei einem günstigeren Fitnesstudio für 24 Monate an. Da bin ich nun seit ein paar Monaten. Unregelmäßig wohlgemerkt. Aber lieber so, als erst voll reinpowern und dann gar keinen Bock mehr zu haben. Alles was Kalorien verbrennt hilft. Mag sein, dass man auf den letzten Kilometern (wenn es um Dinge wie Sixpack etc. geht) wirklich systematischer und intensiver vorgehen muss. Ich habe bei mir jedenfalls auch so Muskeln kennengelernt, die ich vorher nie sah. Sichtbarer Bizeps, Nackenmuskulatur … und das wichtigste ist: Die Waage geht kontinuierlich nach unten.

Leben erlaubt

Und ja – ich habe zwischendurch auch gelebt. War auf Hochzeiten beim Buffet, habe Nächte in Bars verbracht und zuviel getrunken. Das passiert, aber dann muss halt die Wochenbilanz stimmen. Wenn mein Blutzuckerspiegel abgefuckt ist, esse ich meine Haferflocken mit Banane. In dem Fall auch gerne mal mit Nachschlag. Dann bin ich wieder satt, mental ausgeglichener und alles pegelt sich auf Normzustand ein.

Soweit meine Erfahrungen bis zum jetzigen Zeitpunkt. Alles keine Hexerei also. Mein Glück ist, dass ich gut auf Süßigkeiten verzichten kann. Softdrinks sind allerdings ein Laster. Ich trinke sehr viel Cola Zero. Die Auswirkungen auf den Insulinspiegel sind zu vernachlässigen, wenn man langfristig sättigende Kohlenhydrate wie oben genannt zu sich nimmt. Wenn ich mal nasche, dann eher herzhaftes wie Aufstriche auf Knäckebrot, Sesamstangen, Eiweißriegel oder solche Dinge. Manchmal kann ich mir auch Möhren gut reinziehen, aber manchmal ist mir das zu sehr für den hohlen Zahn. Im Sommer war auch das ein oder andere Eis drin.

Unterm Strich habe ich nicht das Gefühl gehabt mich zu überanstrengen, enorm an Verzicht zu leiden oder ähnliches. Ein wenig Disziplin hier und da war schon nötig, aber nichts völlig überforderndes. Der Wunsch mir selbst und der Tierwelt gutes zu tun war mein Motor. Der Erfolg pushte mich nach vorne und irgendwann war vieles Gewohnheit.

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Viel Erfolg euch ebenfalls

Mit diesem Beitrag möchte ich Menschen Mut machen, die keine ausgewiesenen Sportler oder Outdoor-Fans sind. Es geht auch mit Pizza 😉 Trackt eure Energiebilanz, lasst Vernunft bei der Lebensmittelauswahl walten und bewegt euch so viel mehr, dass ihr es nicht als Belastung wahrnehmt. Ich habe knapp 40 Kilo in ca. 3 Jahren auf diese Weise nachhaltig verloren. Und wenn ein verfressener und fauler Mensch wie ich das schaffe, dann schafft ihr das auch!

Mit Sprunghaftigkeit zum Ziel

timeforchange.jpgNa, auch wieder was Neues angefangen, ohne die vorherige Sache zu beenden?

Lange habe ich gedacht es sei eine Schwäche Dinge zu beginnen, ohne sie abzuschließen. Dabei gibt es kaum eine organischere Möglichkeit sich Skills und Wissen anzueignen. Vor allem wenn es ein übergeordnetes Motiv gibt, sind Ablenkungen oft zielführender, als ein strenger Fokus ohne wirkliche Produktivität. Das gilt umso mehr für ein ADHS-Gehirn, das Leistung eher schubweise, als kontinuierlich anstößt.

Die Erkenntnis ist mir nicht neu, aber sie ist endlich wieder aktuell. Ich fragte mich seit längerem wieso ich plötzlich den Drive verloren habe Projekte zu verwirklichen. Da gibt es ein Buch mit Schreibblockade, eine Band ohne Bandproben, einen Event den ich zwei Kollegen überlassen habe und trotzdem bin ich disziplinierter denn je. Eingebunden in Pflichten, konfrontiert mit Visionen, die andere Leute für mich haben. Dazu fürchterlich kleinlich mit meinem Alltagsscheiß. Ich habe mich festgebissen.

Was also tun?

Ganz einfach: Chaos stiften!

Manchmal hilft eine Erkältung. Auch diesmal hat sie mich aus meiner Routine geworfen, Ruhe reingebracht. Und als ich so außerplanmäßig meine ungeplanten Kalorien wegspazierte, ist mir klar geworden, dass ich was Neues machen muss. Vielleicht um das alte fertigzustellen … oder auch nicht.

Deswegen werde ich jetzt einen Podcast produzieren. So richtig mit Script, Vorproduktion, Interviews und terminierten Folgen. Gegliedert in mindestens 2 Staffeln, veröffentlicht auf iTunes und Spotify. Kein Amateur-Kram, richtig guten Talk mit Mehrwert.

Und plötzlich war sie da wieder, die Motivation. Und dann ging alles ganz schnell:

– Name ausgedacht
– Logo designt
– Konzept niedergeschrieben
– Domain gesichert
– Distribution geklärt

Und während ich so über Content-Ideen sinnierte, fielen mir direkt ein paar neue für mein Buch ein. Sieh mal einer an. Und das beste daran: Im Optimalfall ergeben sich Synergien, die beiden Projekten zugute kommen. Ein Hoch auf die Sprunghaftigkeit!

Nachruf: Das ewige Heimkind

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Eines muss man dir lassen – du hast es so hartnäckig geschafft dich in mein Leben zu drängen, dass ich das Unvermeidliche nicht unkommentiert lassen kann. 2015 wolltest du heiraten und bist stattdessen gestorben. Vor wenigen Tagen habe ich es erst erfahren. Konsequenter Abgang. Mein Mitleid gilt den Menschen, die du auf deiner Spur der Verwüstung mitgerissen und hinter dir gelassen hast.

Ich kenne deine Vorgeschichte nicht. Du hast mich zwar zu einer Art besten Freund erklärt, aber was genau dazu geführt hat, dass du so jung in einem Heim für schwer erziehbare Kinder gelandet bist, kann ich nur mutmaßen. Es reicht jedenfalls nicht aus, Verständnis für dich aufzubringen. Dafür war dein Verhalten willentlich zu destruktiv.

Da waren diese Momente in denen ich gespürt habe, dass du Liebe in dir trägst. Deine Mutter hast du geliebt, das war offensichtlich. Die Tatsache, dass meine bissige Ratte bei dir aufgeblüht ist und handzahm wurde, hat mir Respekt abverlangt. Manchmal hast du auch mir ein Gefühl von Wertschätzung vermittelt, aber natürlich nicht, ohne es im nächsten Augenblick komplett zu zerstören. Passend dazu, dass du an der Aktion mitschuldig warst, als ihr meine Maus in der Bong geraucht habt und dann auf die glorreiche Idee kamt sie unter dem Wasserhahn wiederbeleben zu wollen. Ihr verdammten Idioten!

Ich war 15 Jahre alt, als du plötzlich in meinem Freundeskreis auftauchtest. Ich hatte keine Ahnung wer du warst. Auf einmal warst du zu jeder Gelegenheit da. Deine Heimkind-Gepflogenheiten waren für einen Jungen wie mich, der gerade seine erste Zigarette geraucht und verstohlen eine Flasche Apfelkorn Abends auf dem Schulhofgelände mit seinen Kumpels geleert hat, zu viel. Für mich war es ein Abenteuer, für dich Alltag. In deinem Rucksack haben gewohnheitsmäßig die Bierflaschen geklirrt, kiffen war dein rauchen und Störkraft war für dich normale Musik.

Ich weiß nicht warum ich es zugelassen habe, dass du für etwa drei Jahre meine Jugend geprägt hast. Warum auf einmal nur noch du da warst. Vermutlich hast du es geschafft den Anteil in mir, der eine männliche Vorbildrolle vermisste, anzusprechen. Du warst ein Riesenarschloch, aber du hast mir gezeigt, wie man sich als nicht angepasster Junge durchsetzt. Du hast den Teil in mir angesprochen, der ein dringendes Bedürfnis hatte zu rebellieren. Und irgendwie hast du es geschafft mir deinen verqueren (Selbst-)gerechtigkeitssinn zu verkaufen. Ich entschuldigte dein Verhalten immer wieder, egal wie groß der Mist war, den du angestellt hast.

Als wir zu deinem Bekannten fuhren, der dir Geld schuldete, hatte ich das Gefühl wir spielen nur Gangster. Aber du hast nicht gespielt. Fassungslos sah ich mit an, wie du den eingeschüchterten jungen Mann ausraubtest, ihn verbal dafür erniedrigt hast, dass er sein Geschirr in der Badewanne spülte und dich ganz stark und männlich dabei fühltest vor seinen und meinen Augen drauf zu pissen. Ich habe dir in meiner dümmlich-weichen Art zwar zu verstehen gegeben, dass ich das nicht cool fand und innerlich auch schon einen Plan geschmiedet, wie ich dich aus meinem Leben verbannen könne. Aber dir entschieden entgegenzutreten – das habe ich mich zu selten gewagt. Hier hätte ich es tun müssen. Es wäre meine Pflicht gewesen. Stattdessen war ich nahezu regungslos. Ich erlebte alles wie im Nebel. Als wäre ich in einem Film.

Dass du LSD unter die Salamischeibe meiner Pizza gelegt hast – geschenkt. Dass du meinen Kühlschrank regelmäßig leertest und mir eingeredet hast, ich müsse im Gegenzug dafür dankbar sein, dass du ständig was zu kiffen mitbrachtest – schräg. Ohne dich hätte ich kaum die Entscheidung getroffen, die beste Zeit meiner jungen Jahre zugedröhnt zu verbringen. Ich musste viel verlieren und volljährig werden, um zu verstehen welche Mechanismen hier greifen und dass ich dir nichts schulde. Am schmerzhaftesten wog der Verlust meiner ersten Liebe. Ich lebte ein Parallel-Leben. Bei ihr konnte ich sein wer ich war, mit dir spielte ich Ghetto-Junge. Und weil beides nicht zusammenpasste, hielt ich euch möglichst fern voneinander. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern was sie sagte, als es vorbei war. Aber ich weiß, dass es all das war. Die Zeit, die ich an dir verlor. Die Dinge die ich durch dich tat und dachte – daran ging diese Liebe kaputt.

An dem Abend, als ich das Gesöff trank, das du im Supermarkt geklaut hast und all die Widersprüche in mir kaum noch auszuhalten waren, lärmten wir mit der Clique so spät herum, dass die Polizei sich dazu berufen fühlte mit einer halben Armee anzurücken. Dieser unverhältnismäßige Aufmarsch machte mich wütend und in meinem besoffenen Schädel beschimpfte ich die Polizisten, die ihrerseits nicht zimperlich auftraten. Weil ich vermutlich zu viel Braveheart geguckt hatte, dachte ich es wäre meine heilige Pflicht gegen dieses Unrecht zu kämpfen, aber da war plötzlich keiner mehr. Ich rannte ihnen in die Arme, du ranntest mit den anderen davon. Sie schlugen mir einen Zahn mit der Taschenlampe aus, brachten mich aufs Revier, beschimpften mich rassistisch und karrten mich anschließend nach Hause, wo ich zitternd und verstört mit meinem Schock alleine war. Irgendwann kamst du dann an. Und plötzlich warst du normal, zeigtest dich einfühlsam, botest mir unbeholfen dein Allheilmittel an – einen Joint. Jetzt war ich endlich auf deinem Level. Jetzt sprachen wir die gleiche Sprache. Ich hatte mir deinen Respekt verdient.

Etwa ein halbes Jahr später hatte ich dich weitestgehend aus meinem Leben verbannt. Ich hatte genug von dieser Scheiße. Ich spielte Shadowrun mit coolen Leuten, hörte wieder mehr Musik, die mir wirklich gefiel, anstatt mich dir und den anderen Deppen anzupassen. Lernte langsam, dass ich nicht nach dem Recht des Stärkeren leben musste und einfach so gemocht wurde wie ich bin.

Aber du wirktest lange nach. In jedem Wutanfall, den ich später hatte, steckte ein Teil von unserer Beziehungsdynamik. In dem Misstrauen gegenüber anderen Menschen, verbirgt sich ein Teil deiner Menschenverachtung. Die Schäden, die du meinem Selbstwert zugefügt hast, haben mich weit bis ins Erwachsenenalter geprägt. Die drei Narben, die ich wegen dir habe, sind für immer sichtbar. Und das von uns so glorifizierte Scheitern ist zu einem Motiv geworden.

Jetzt habe ich dich also überlebt. Und als ich um die Zeit deines Todes herum ein Bild von dir auf Facebook fand, das dich als besessenen Amphetamin-Junkie mit knallrotem Gesicht zeigte, ein anderes als Gerüstbauer mit „Stalingrad“-Kapuzenpulli und irgendwelche bunten, verstörenden Bildchen als Anspielung auf deinen Drogenkonsum – da war mir auch klar, dass du nie aufgehört hast der 16-jährige Problemfall zu sein. Die Geschichte konnte gar nicht anders enden. Wahrscheinlich fehlte auch dir ein gesundes männliches Vorbild, aber du warst alt genug um dein eigenes zu werden.

 

Rant: Lifestyle Baukästen vs Authentizität

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Alle haben heutzutage irgendwie ein „Ding“. Irgendein super-spleeniges Hobby, eine politische Agenda oder zumindest eine Macke. Hab‘ ich auch. Sogar alles zusammen. Aber eines habe ich nicht – Lust mit anderen zu konkurrieren und mich über eine Sache monothematisch zu definieren.

Mir reicht es Dinge grundlegend zu verstehen. Etwas zu konsumieren, ohne es anschließend zu sezieren. Ein Thema aus einer bestimmten Perspektive zu betrachten und dann einfach aus einer anderen. Scheinbar zusammenhängende Dinge voneinander zu entkoppeln. Auch habe ich kein Problem damit, nicht zu wissen was ich tue, so lange das Ergebnis stimmt. Warum soll ich „B“ sagen, nur weil ich „A“ gesagt habe? Wozu im Tunnelblick feststecken? Das nächste Projekt wartet schon, die nächste Idee schießt in den Kopf, ein anderer Ansatz beschäftigt mich. Ich möchte in Theorie und Praxis flexibel bleiben.

„Das Ego in klare Markensprache gepackt – Ersatzidentität.“

Leider ein recht einsames Unterfangen, denn viel zu viele Menschen haben das Bedürfnis sich zu etwas ganz und gar zu bekennen und ein möglichst nachvollziehbares und fokussiertes Profil nach außen zu tragen. Das Ego in klare Markensprache gepackt – Ersatzidentität. Während hobbyistische Snobs ein recht harmloses Phänomen der Filterblasen- & Lifestyle-Baukasten-Kultur sind, wird’s im politischen, gesundheitlichen und sozialen Bereich schon arger. Dem Abweichler drohen Fanatismus, Hass und Ausgrenzung – wer die Kriterien der Zugehörigkeit nicht vollständig erfüllt und das erwartete Vokabular nicht anwendet, wird schnell Zielscheibe des Mobverhaltens der jeweiligen Gruppe. Und das sind mitnichten nur die „üblichen Verdächtigen“. Auch hinter Regenbogen-Flaggen und Sonnenblumen kochen schnell die Emotionen hoch. Impulsivität, mangelnde Reflektion und Tunnelblick sind das eigentliche Gift, ganz gleich wer es versprüht. Über Inhalte kann und sollte man an sich hingegen reden. Tun wir das nicht, werden die gefühlten Realitäten immer weiter auseinanderklaffen.

„Ich glaube nicht an ein Dasein ohne Ambivalenz.“

Ich glaube nicht an ein Dasein ohne Ambivalenz. An Wahrheiten ohne Zweifel. An Schablonen und Dogmen. Sehr wohl räume ich aber ein, dass nicht jede monothematisch interessierte Person Selbstdarstellungsinteressen verfolgt. Flankiert werden Selbstdarsteller jedoch gerne von Fachidioten – echte Reflektion darf man in diesem Fall ebenso wenig erwarten, allenfalls sehr spezifisches Wissen, das im besten Fall auf Fakten basiert.

Unaufgelöste Widersprüche, nicht weiter vertieftes Teilinteresse, Wandel und Perspektivenwechsel gehören zu mir. Ich werde mich für falsche Harmonie nicht auf ein Klischee herunterbrechen. Es wird mir jedoch immer ein Rätsel bleiben, warum es so vielen meiner Mitmenschen zu reichen scheint. vorgekaute Formate als ihre Lebensrealität anzunehmen. Wie soll eine Persönlichkeit reifen, wenn sie an Status und Fassade gekoppelt ist?

Ich will vieles wissen, einiges können, die ein oder andere gute Sache unterstützen aber nichts anderes sein, als ich selbst. Am liebsten ohne Anpassungskonflikte, im Zweifelsfall jedoch zugunsten meiner Integrität.

Mein (Musik-)jahr 2018

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2018… ein Jahr, das mir meine ganze Kraft abrang und mich dennoch nicht kleinbekam. Nun ist es endlich Geschichte und es ist trotz allem auch ein Musikjahr gewesen. Der ultimative Treuebeweis: Wenn mich die Musik selbst im Existenzkampf nicht verlässt, wird sie es wahrscheinlich niemals tun.

Ganz im Gegenteil. Als ich nach meiner Trennung den Boden unter den Füßen zu verlieren drohte, ließ mich ein guter Freund bei ihm für eine Weile einziehen und munterte mich direkt zur Begrüßung mit diesem FREDDIE KING Klassiker auf –  die pure Katharsis:

Selbst erfüllte ich mir einen Herzenswunsch und brachte meine neu gegründete Doom Metal Band APOLLOW für einen Auftritt auf der letzten Ausgabe unseres COLOGNE METAL FESTIVAL auf die Bühne. Sechsmal veranstalteten wir den Event und am Ende schaffte ich es doch noch das Festival mit eigener Musik zu rocken. Ein perfekter Abschluss!

Ein weiteres Projekt startete ich mit meiner guten Freundin und Ex-Bandkollegin Julia – THE CROW & THE PHENIX – drei Songs sind bereits auf Youtube verfügbar, an weiteren wird noch gearbeitet.

Sehr gefreut habe ich mich außerdem darüber, nach längerer Pause, wieder ein paar Mal hinter dem DJ-Pult gestanden und Tanzflächen beschallt zu haben.

Natürlich habe ich meine Lauscher auch für neue Musik aufgesperrt, wobei ich umständehalber etwas weniger am Puls des Geschehens war als für gewöhnlich.

NEWCOMER 2018

Ehemalige HIM und AMORPHIS Musiker krallten sich einen neuen Frontman und stellten ordentlichen Dark Rock im Stile der „Venus Doom“ (2007) HIM-Scheibe mit poppiger Note auf die Beine. Nicht sonderlich innovativ, aber genau mein Geschmack.

SONGS 2018

1. JUDAS PRIEST – Firepower

Unter der Regie von Produzenten-Ass Andy Sneap haben sich Judas Priest auf ihre alten Tage nochmal aufgefrischt. Das Ergebnis ist klassischer Metal ohne Fehl und Tadel. Kompakte Songs, aufs Wesentliche reduziert, tolle Hooklines, fettes Soundgewand und ausgestattet mit allerlei Reminiszenzen zu den Frühwerken der Band.

2. TREMONTI – A Dying Machine

Mark Tremonti (Ex-Creed, Alter Bridge) ist ein moderner Gitarrenheld und unterscheidet sich doch ganz wesentlich von seinen Vorgängern der 80er Jahre. Seine Soloalben wirken zu keiner Zeit selbstbezogen, räumen immer dem Song Priorität ein und das exzellente Handwerk ist dabei nur noch das Salz in der Suppe. Understatement pur. Das Ergebnis ist moderner US-Rock / Metal im Stile von Stone Sour oder der Hauptband des Saitenhexers selbst. Der Titeltrack hat es mir im speziellen angetan.

3. KAMELOT – Ravenlight

Mit den KAMELOT der Tommy Karevik-Ära verbindet mich eine Hassliebe. Die Band ist immer noch gut genug, um in meiner Top-Liste zu landen, aber es fehlt das Stückchen Seele der früheren Jahre, die vor allem Ex-Sänger Roy Khan in die Musik brachte. Dieser ist überraschenderweise wieder mit seiner alten Band Conception aus dem Ruhestand zurückgekehrt. Deren EP „My Dark Symphony“ hat leider nicht die songwritrische Klasse und Griffigkeit, die man von Kamelot gewohnt ist. Und so hat sich in diesem Fall der beste Song beider Werke durchgesetzt und ist auf meinem dritten Platz gelandet. Ich freue mich dennoch sehr darüber, dass mein Lieblingssänger zurück ist und sein Talent nicht mehr in einer Norweger Kirche verschwendet.

4. DISTURBED – Are You Ready

Da muss man nicht viele Worte zu verlieren. DISTURBED sind wieder da und sie klingen wie sie klingen sollen. Wenn ich einen kräftigen Arschtritt brauche – dieser Song liefert ab.

5. LONESHORE – Until The Last Of Hopes

Progressiver Dark Metal ist für gewöhnlich mein Lieblingsgenre, wenn ich mich in Musik richtig reinfallen lassen möchte. Ich bin da aber auch ein kleiner Snob und nehme nur wenige Bands aus dieser Ecke in meinen persönlichen Klangkosmos auf. Dieser Song hier war ein Tipp aus einer Facebook-Gruppe und hat überraschenderweise direkt gezündet. Das liegt sicherlich auch an der sehr ausladend zelebrierten Leadgitarren-Hook, die emotional komplett auf meiner Frequenz sendet. Aber auch der Fretless Bass und all die anderen kleinen Zaubereien machen den Song zu etwas besonderem.

ENTTÄUSCHUNG 2018

KATATONIA kündigen eine Pause auf unbestimmte Zeit an.

KONZERT 2018

Mal wieder waren es LACRIMAS PROFUNDERE, die mich mit ihrer 25-jährigen Jubiläumsshow am 16. November 2018 in Essen (Turock) live am meisten begeistern konnten. Eine der wenigen Bands, die mich als Metalhead auch mal das Tanzbein schwingen lässt. Der neue Sänger Julian Larre agierte erfreulich extrovertiert auf der Bühne und überzeugte mit einer authentisch-tiefen Stimme, die zu sämtlichen Phasen der Band-Diskographie passt. Ein perfekter Bonus war natürlich, dass meine Freunde von CRUD im Vorprogramm der Show rockten.

PERSÖNLICHES

Wie eingangs erwähnt, stand das Jahr 2018 im Zeichen eines großen Umbruchs in meinem Leben. Ich bin 40 Jahre alt geworden, habe mich von meiner langjährigen Partnerin getrennt, dabei auch meine Haustiere hinter mir gelassen und bin in eine neue Stadt gezogen. Dass dabei allerlei Stolpersteine im Weg lagen, brauche ich wahrscheinlich niemandem erzählen, der sowas schon mal durchgemacht hat. Und dennoch war es ein Jahr des Wachstums und der Stärke. Nun freue ich mich trotzdem wieder auf ruhigere Zeiten.

Was lief gut in 2018?

Ich habe so gut wie alle Ziele erreicht, die ich mir gesteckt habe und nicht eher geruht, bis meine Wohn- und Einkommenssituation wieder stabil war. In dem Prozess bekam ich mehr Hilfe und Zuspruch von verschiedensten Menschen, als ich dachte, wofür ich sehr dankbar bin.

Was war eine Herausforderung?

Das Jahr gesundheitlich zu überstehen war nicht einfach. Die Gefühle fuhren Achterbahn, die Bürokratie war ein Irrsinn, die Umzüge mühsam und kostenintensiv. Körper und Geist zeigten mir mehr als einmal meine Grenzen auf, allerdings erlebte ich mich dabei auch stabiler und kräftiger, als ich es selbst von mir erwartet hätte.

Womit habe ich neu begonnen?

Ich wurde schnurstracks in einen neu gegründeten Highland Games Clan aufgenommen, als ich in meine neue Heimat zog. Ende des Jahres begann glücklicherweise meine Therapie und kurz vor Weihnachten beschenkte ich mich selbst mit einem 8-wöchigen Fitness-Programm in einem guten Studio.

Was wünsche ich mir für 2019?

Ein Ende der emotionalen Talfahrt, mehr Energie für Arbeit und Projekte, weitere Erfolge bei Ernährung und Fitness, mehr Stabilität in den Beziehungen zu meinen Mitmenschen und das sichere Gefühl vorerst angekommen zu sein.

#RetroMontag Anekdote: Der Taperecorder

1077040_10200103270600665_865901489_o.jpgEs muss sprichwörtlich gebrannt haben in der Saarbrückener Legacy-Reaktion. Die Titelstory stand, aber kein Redakteur hatte Zeit nach Köln zu fahren und das Interview mit den damaligen Senkrechtstartern von GRAND MAGUS zu führen.

Ich habe keine Ahnung wie ausgiebig der Chefredakteur Björn-Thorsten bei der Vorstellung geseufzt hat, einen der unerfahrenen freien Schreiberlinge auf das Thema anzusetzen. Ich weiß nur noch, dass ich den Auftrag in ängstlicher Euphorie annahm. Er wusste nicht, dass mein erstes und letztes Face-to-face Interview zu diesem Zeitpunkt neun Jahre zurücklag und noch dazu mit einer befreundeten Münchner Band geführt wurde.

Ich hatte auch gar kein passendes Aufnahmegerät. Eine professionelle Lösung musste her also, die mich journalistischer wirken lassen würde. Es war 2010 und ich wählte einen Taperecorder.

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Journalistisches Profi-Tool!

Da stand ich nun am Tag X, wurde in einen Raum Bier trinkender und rülpsender Schweden gesetzt, packte das antike Ding aus und legte es zwischen uns auf den Tisch. Der glatzköpfige Frontman Janne schmunzelte und sagte er habe sowas schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Autsch!

Nachdem ich genug von meinem Gestammel, seiner Ausführungen und Rülpser gesammelt hatte, fuhr ich nach Hause und schrieb meine Titelstory. Und wie wir Schreiberlinge so sind, begann sich erst ab dem Moment, an dem ich durchatmen konnte alles zu fügen. Ich lieferte einen amtlichen Mehrseiter ab, behielt meinen Taperecorder und setzte ihn mit stolzer Brust noch ein par weitere Male ein. Er wurde quasi mein verschrobenes Trademark-Gadget.

Heute hält das Smartphone her. Funktioniert auch, ist vor allem praktischer, aber die Magie ist weg.