Geheimes Dokument: Leak der 1. Berliner Corona-Krisensitzung

Es hat etwas gedauert.

Nun ist die Brieftaube endlich eingetroffen. Mein Informant traut digitalen Medien nicht. Entsprechend verwittert kam das Dokument an. Ich bat ihn, das nächste Mal eine Bluetooth-Mücke zu senden, trotz Erschlagungsgefahr durch die geheimdienstliche Fliegenklatsche.

Folgende streng geheime Aufzeichnung ließ sich dem durch Wind, Wetter und Geoengineering gezeichneten Dokument jedenfalls vollständig entnehmen:

Transkription der 1. Corona-Krisensitzung

Corona: „Guten Morgen, ich bin das Killervirus und Importeur des neuen Sozialismus!“

Nicht identifiziertes Mitglied der Grünen: „Das ist ja wunderbar! Aber bist du so richtig Ebola-tödlich oder mehr so Schweinegrippe?

Drosten: „Lassen sie mich die Frage als Experte beantworten: Ja und nein!“

Merkel (nuschelnd): „Klaus, du Wahnsinniger…“

Laschet: „Wer ist Klaus?“

Merkel: „Moment. Ich muss telefonieren.“

Ramelow: „Immer mit der Ruhe. Solidarität, Genossinnen. Kriegen wir schon hin.“

Lauterbach: „Das sehe ich weniger optimistisch…“

Markus Lanz:Wollen Sie darüber sprechen?

Lauterbach: „Sprechen ist allgemein schlecht.“

Unidentifizierter Teilnehmer der Grünen: „Masken? Wie geil ist das denn?! Blocken die auch signifikant CO2 beim ausatmen?“

Parlaments-Ärztin: „Ja, das CO2 wird je nach Beschaffenheit rückgeatmet und…“

Correctiv: „Falsch!“

Laschet: „Wer hat euch denn eingeladen?“

Correctiv: „George Soros.“

Spahn: „Das geht klar, ich weiß Bescheid.“

Drosten: „Wegen den Masken – ich würde das nicht empfehlen…“

Otto Kölbl:Nǐhǎo! Tschuldigung, dass ich so reinschneie. Sie kennen mich nicht, ich war lange in China, aber ich hätte hier ein passendes Strategiepapier…

Spahn: „Danke, ich weiß Bescheid.“

Laschet: „Moment, was steht da? Was ist ein Lockdown?“

Spahn (nimmt Telefonat an): „Ja, 50 Millionen Masken. Bis wann können sie liefern?“

Söder: „Ich nehm‘ 100!“

Laschet: „Elendiger Opportunist!“

Corona: „Jetzt übertreibt ihr aber. Sooo gefährlich bin ich auch wieder nicht.“

Correctiv: „Falsch!“

Drosten:Okay, dann halt Masken. Können wir jetzt mal über meinen PCR Test sprechen?

AfD-Delegation: „Guten Tag zusammen, wieso hat uns keiner Bescheid gesagt, dass heute Großversammlung im Reichstag ist?“

Alle: „Nazis raus!“

Lindner (setzt an aufzustehen): „Äh, ihr meint aber nicht uns, oder?“

Merkel (legt auf): „Nein. Ihr bleibt da. Euch brauch ich gleich noch zum Thema Digitalisierung.“

Lindner: „Ui, Spielzeug!“

Laschet: „Ihr seid doch alle bekloppt. Ich ruf‘ jetzt mal den Hendrick Streeck an und frag ihn was das ganze Theater hier soll.“

Laschets Windows-Phone: „Hallo Armin. Gönn dir erst mal ein Update.“

Spahn: *kicher*

Altmeier: „Wann gibt’s eigentlich was zu essen?“

Spahn: „Fällt aus. Stell lieber mal ein paar Anträge online. Wir machen das Land dicht und die Leute brauchen Kohle.“

Altmeier: „Moment, wie dicht? Kohle woher? Gibt’s auch eine Diäten-Erhöhung?“

Scholz: „Ist gut. Die SPD macht das. Kommunikation übernehmen wir auch. Von Sozialismus verstehen wir eh mehr als ihr.“

Ramelow: „LOL“

Nicht identifiziertes Mitglied der Grünen: „Ok, wir indoktrinieren so lange die Medien.“

Spahn: „Der Spiegel weiß schon Bescheid.“

Lauterbach: „Sie müssen niemanden indoktrinieren. Machen Sie einfach Panik. Sag mal, was findet dein Test denn eigentlich genau, Christian?“

Drosten: „Alles. Im Prinzip…“

Lauterbach:Sehr gut, damit kann ich arbeiten.“

Laschet (schreit sein Windows-Phone an): „Wie, noch ein Update!? Willst du mich verarschen?!“

Söder:Leg dir halt ein Huawai zu.

Corona: „Gute Idee!“

Merkel (seufzt in Richtung Wandbild des Ex-Kanzlers): „Helmut, verzeih mir…“

Spahn: „Wir werden einander viel verzeihen müssen.“

Merkel:Schreib das auf. Das ist gut. Der Satz hat historisches Potential.

Grüner Politiker: „Blabla! Können wir die guten Nachrichten jetzt endlich an die Presse rausgeben!?“

Markus Lanz: „Ich bin doch schon die ganze Zeit hier.“

Correctiv: „Falsch.“

Markus Lanz: „Ihr geht mir langsam auf den Sack, wisst ihr das?“

Achtung, Satire! Dieser Text übrigens auch.

Wie wollen wir sterben?

Medien unterschiedlicher Couleur stellen die Frage danach, wie wir leben wollen. Aber vielleicht ist dieser Ansatz irreführend. Womöglich macht er blind für die Schattenseiten eigener Utopien. Lädt zum träumen ein und lässt Ernsthaftigkeit, Aufrichtigkeit und Verantwortung vermissen.

Denn wie wir leben wollen ist letztlich untrennbar mit der Frage verbunden, was wir hinterlassen wollen. Was wir erschaffen haben, welche Fragen wir klären konnten und welche wir für die Nachwelt gestellt haben. Der Abgang ist ein letzter Blick in den Spiegel und den wollen wir nicht fürchten.

Wer erbt unsere Konflikte?

Ebenso sicher wie der Tod, ist der Ausgang des Weges der Vermeidung. Ungeklärte Konflikte treiben uns vor sich her, bis wir uns der Lösung stellen. Unbequeme Wahrheiten sitzen uns im Nacken und lassen uns nicht los. Stellvertreter-Konflikte, die wir nach außen projizieren, tragen Leid in die Welt und spiegeln uns unser eigenes Problem so lange zurück, bis wir es annehmen und ihm aufrichtig begegnen.

Und wie wollen wir eigentlich mit den Toten umgehen?

Wollen wir sie fürchten? Sie ehren? Sie etwa instrumentalisieren?

Wollen wir ihre Leben feiern oder um ihr Fehlen trauern? Wollen wir sie dem Kreislauf des Lebens und Vergehens übergeben oder ihre Materie in Asche auflösen? Wollen wir das zu einer Frage von Armut und Reichtum machen?

Wie begegnen wir den Wünschen derer, die gar sterben möchten? Und wie schützen wir die Leichtsinnigen vor der ansteckenden Todessehnsucht der Satten, Gerechten und Fanatischen?

Kannst du dich dir stellen?

Wer kann, möge jetzt in den Spiegel sehen und sich diese Fragen stellen. Ich kann es noch nicht. Dieser Text ist die größte Überwindung, zu der ich zu diesem Zeitpunkt fähig bin.

Infektionsschutzgesetz & die Pandemie im Kontext der Welt- & Finanzpolitik

Die US-Wahlergebnisse machen hinsichtlich einer Abkühlung zwischen den Fronten immer noch etwas Hoffnung. Für Europa ist die kommende Dekade dennoch eine Zerreißprobe und wir müssen sehr aufpassen, dass wir jetzt die richtigen Entscheidungen treffen.

Am 18.11. möchte die Regierung bspw. umfassende Gesetzesänderungen beschließen, die meiner Auffassung nach ein großes (!) Potential für politischen Machtmissbrauch in sich tragen.

Aus diesem Grund möchte ich euch bitten den Entwurf zu lesen. Er ist lang und zäh, aber ich halte es für wichtig den Originaltext zu kennen:

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/GuV/B/BevSchutzG_BT.pdf

Das Gesetz adressiert den Infektionsschutz, aber ist vor allem ein Dokument für eine grundlegende Reform der inneren Sicherheit und der Bürgerrechte.

Ich möchte zudem gerne erklären, warum ich als Mensch mit einer sozialen und humanistischen Weltanschauung diese „Gesundheitspolitik“ kritisiere und mich damit der Gefahr der vorschnellen Einordnung ins falsche politische Spektrum aussetze.

Ohne Verweis auf kausale Zusammenhänge geht das natürlich nicht, aber ich meine, dass meine Beobachtungen und Schlussfolgerungen rationaler und geerdeter Natur sind, zumal sie sich auf realpolitisches Geschehen und dokumentierte Grundlagen beziehen.

–> 1. Pandemie

Ich will mich an diesem Punkt kurz fassen. Das Thema ist allgegenwärtig, die verschiedenen Positionen soweit bekannt. Letzlich ist es unerheblich, ob eine Zoonose oder ein Labor-Unfall ursächlich ist und welche Zahlen man als zutreffender erachtet. Es geht jetzt vielmehr darum, was daraus gemacht wird.

Denn das Virus ist politisch und wirtschaftlich ein Synonym für die wirtschaftliche Transformation geworden. Das ist wahrscheinlich gerade für diejenigen unter euch wichtig zu verstehen, die sich bislang auf den gesundheitlichen Aspekt fokussierten.

Was das Thema Gesundheit anbelangt, möchte ich euch allerdings ein paar Überlegungen bzgl. des Impfstoffes auf mRNA Basis geben. Das ist ja bekanntlich ein neues Konzept und im Software-Bereich würde man wohl von einer „Public Beta“ sprechen. Die Schutzwirkung, so wie Nebenwirkungen werden über zwei Jahre hinweg weiter beobachtet. Bei den 43.538 Testpersonen seien keine schwerwiegende Komplikation aufgetreten. Jedoch bekam die Hälfte ein Placebo und alle waren von vornherein gesund. Teilnehmende berichteten von heftigen Symptomen, waren aber der Auffassung, das sei fürs große Ganze hinnehmbar. Die Verfahrensweise an sich birgt die Gefahr schwerer Auto-Immunreaktionen und die Reaktion immunschwacher Personen ist nicht bekannt. Langzeitschäden genauso wenig. Desweiteren sollte man das bisherige Wirken der Pharma-Industrie in Afrika und Indien zur Kenntnis nehmen, bevor man sich für oder gegen die Impfung entscheidet.

Einen Zwang soll es laut Regierung nicht geben, indirekte Zwänge wie verwehrte Teilhabe am kulturellen oder beruflichen Leben könnten dennoch entstehen. Deswegen lieber vorab überlegen, wie ihr damit ggf. umgehen wollt, als ad-hoc eine impulsive Entscheidung zu treffen.

Den Rest überlasse ich der medialen Dauerbeschallung. Kommen wir lieber mal zu den weiteren Themen, die zeitgleich oder in Wechselwirkung mit der Pandemie stattfinden.

–> 2. Industrie 4.0

Seit Jahren kennen wir den Begriff eher als Medienphänomen. Klar sind wir im Alltag digitaler geworden und sehen wie sich Prozesse in der Arbeitswelt verändern. Aber so richtig radikal anders war das alles nicht. Hier wurde mal über Elektroautos diskutiert, da hat sich jemand einen 3D-Drucker gegönnt, mal philosphierte Richard David Precht über die Bildung der Zukunft und das bedingungslose Grundeinkommen und IT-Magazine schwärmten von künstlicher Intelligenz, die Menschen in Gesellschaftsspielen schlägt.

Gleichzeitig kutschierten wir weiter mit Verbrennermotoren durch die Gegend, legten Bargeld auf den Tresen, bestellten unsere kurzlebige Ware um sie 2 Jahre später durch neue zu ersetzen und so richtig intelligent kamen uns weder Roboter noch Menschen vor.

Zurecht, denn während wir im Westen gewohnheitsmäßig unser erlerntes Leben in einer neoliberal strukturierten Gesellschaft abspulten, fuhren wir genau dieses mit Vollgas gegen die Wand. Unser von Echtwert entkoppeltes Geldsystem gaukelte uns Schein-Wohlstand in einer hochverschuldeten Welt vor, wir beuteten arme Länder und die Natur aus, flickten die Bruchstellen des Systems notdürftig und schlürften sinnbildlich unseren Cocktail, während die Welt brannte.

Deshalb wurden die Stimmen, die einen radikalen Systemwechsel forderten lauter. Digital, grün und nachhaltig soll die Wirtschaft werden. Sozial gerecht, global vernetzt und inklusiv.

Was die letzten Jahre sehr langsam voranschritt, wird jetzt mit der Brechstange gelöst. Das geht im Prinzip nur mittels Planwirtschaft. Alleine deshalb, weil Europa über keine konkurrenzfähigen Strukturen verfügt und sich auf globale Partnerschaften nicht mehr blind verlassen kann. In einem traditionellem Export-Land wie unserem wird man einiges auf den Kopf stellen müssen, um die Ziele zu erreichen, welche die EU im Rahmen des Green Deals festgelegt hat. Das kann / will der freie Markt nicht leisten, so dass man offenbar von staatlicher Seite nun das Heft in die Hand nimmt. Und das Problem hierbei: Es sich demokratisch betrachtet offenbar auch nicht mehr nehmen lassen möchte.

–> 3. Der große Reset

Klaus Schwab, Veranstalter des jährlichen Weltwirtschaftforums und Autor von „The Great Reset“ sieht in der Pandemie das größte Potenzial zur gesellschaftlichen Transformation seit dem 2. Weltkrieg.

Kennt man Schwabs Stellung als Bindeglied zwischen ranghöchsten Vertretern von Politik und Wirtschaft, darf man sein Buch durchaus als globalen Fahrplan für die nächste Dekade lesen, dem die Zustimmung der meisten wichtigen Entscheider aus WEF-Kreisen gewiss ist.

Wer in diesem Umfeld die ein oder andere querschießende Meinung hören will, dem rate ich dazu Elon Musk auf Twitter zu folgen. Teils sehr unterhaltsame Tweets, teils auch recht unverblümte Einblicke in die eigene „Kaste“.

Deutsche Version des Buches: https://amzn.to/35C6tud

Wie viele hohe Tiere der Wirtschaft, ist Klaus Schwab jedenfalls Technokrat und Bewunderer des chinesischen Gesellschaftssystems. Masken tragen, komische App runterladen und funktionieren erinnert uns also nicht ganz zufällig an den fernen Osten.

Er vertritt darüber hinaus eine unter Technokraten weit verbreitete Haltung:

– Umso unbeherrschbarer und diffiziler die Technik mitsamt ihres Missbrauchspotentials, desto stärker muss der Mensch kontrolliert und eingeschränkt werden.
(Meine Interpretation, kein direktes Zitat)

Es ist unter wirtschaftlichen und technologischen Aspekten betrachtet also kein Wunder, dass der Weg Chinas in der Business- & Wissenschaftswelt als wegweisend betrachtet wird. In Sachen Menschenrechte ist er ein Alptraum.

Nun hat China unter großem Leid und millionenfachen menschlichen Verlusten bereits vor Jahrzehnten einen Systemwechsel vollzogen, der die heutigen Entwicklungen möglich machte. Der Begriff „Reset“ ist nichts anderes als ein Synonym für Revolution. Wenn man also gedenkt westliche Länder – allen voran europäische – im Rekordtempo fit für eine Anpassung und Konkurrenz mit dem chinesischen System zu machen, wird das in großen Unruhen enden.

Einen Einblick in die Geschichte der Nation findet ihr hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Volksrepublik_China#Gründungszeit_der_Volksrepublik_China_1949–1957

Auch wenn wir hier von sozialistischen Entwicklungen sprechen:

Die Vision des Great Resets ist aus meiner Sicht eine der sozialen Ungleichheit. Eine, die das bereits existierende Ungleichgewicht zwischen Eliten und armen Menschen in die Extreme zwingt. Eine die Abhängigkeit der Menschen von Technologie und Bereitstellern der Infrastrukturen zum Ziel hat. Sie wirbt mit dem grünen Traum von smarten, CO2-neutralen Städten, aber steht auch für massive Gleichschaltung, Ghettoisierung ungeahnten Ausmaßes und Eugenik. Die grüne Utopie und die Offenheit für eine ethisch diverse Zusammensetzung so einer neuen, inhumanen Gesellschaft, würde Kritik an dieser erschweren.

Aus humanistischer Sicht ist eine solche Zukunftsvision eine Katastrophe und deshalb sollten sich Linke m.E. nicht vom Greenwashing dieser Ideen um den Finger wickeln lassen.

Wir müssen und werden bessere Lösungen finden! Menschlichere, demokratischere. Lernen wir aus dem was wir dieses Jahr erfahren haben, aber basteln wir eine bessere Vision daraus!

–> 4. Wie die Krise finanziert wird

Wer schon mal mit einer Kreditkarte im Minus war, weiß wie der Finanzsektor sein Geld verdient. Skaliert diese Eigenerfahrung auf das Niveau von Volkswirtschaften hoch und ihr habt eine Vorstellung davon, wie viel Geld sich als potenter Investor mit Staatsverschuldung verdienen lässt. Dass damit proportional auch der politische Einfluss wächst, liegt in der Natur der Sache. Wenn ihr manchmal das Gefühl habt, dass unsere Regierung wie auf Autopilot Checklisten abarbeitet, statt organisch und angemessen auf Umstände zu reagieren, mag das daran liegen, dass dem schlicht und einfach so ist.

Deutschland musste Anfang 2020 enorme Kredite für die Finanzierung der Krise aufnehmen und hat damit natürlich auch den politischen Spielraum der Investoren erweitert. Ziele der Groß- und Investmentbanken sind u.a. Zentralisierung des Geldflusses in überstaatlichen Strukturen, Abschaffung von Bargeld und Verknüpfung der Ressourcen Daten und Währung (bspw. via Blockchain). Die anstehende Pleitewelle wird nicht nur unzählige Arbeitsplätze obsolet machen, sondern auch zum Schnäppchenparadies internationaler Investoren avancieren.

Die Folge ist, dass Staaten an Souveränität verlieren und die Finanzwirtschaft, sowie große Digitalkonzerne oder wer immer sich in die zerschlagenen Strukturen einkauft, fette Gewinne einstreichen. Das verändert natürlich auch den politischen Einflussbereich. Wer entscheiden kann wo in was investiert wird, sitzt letztlich am Hebel.

–> 5. Die Rolle der Medien

Wir nehmen Medien als eine Vielzahl von Stimmen wahr. Dieses Jahr haben einige von uns festgestellt, dass es plötzlich einen merkwürdigen Einklang unter ihnen gab. Speziell in der ersten Jahreshälfte.

Um ein Bild zu bemühen:

Medien sind in der Hierachie pyramidisch aufgebaut. Narrative entstehen an der Spitze und werden nach unten in die Breite durchgereicht. Empfindet man ein bestimmtes Magazin bspw. als tendenziös oder gar manipulativ, dann liegt das nicht selten daran, dass die Manipulation bereits in den eigenen Reihen beginnt. Entweder mit dem Holzhammer (fixes Leitbild, inhaltliche Vorgaben, Keywords & Wording) oder subtiler, in Form einer ideologisch aufgeladenen Redaktions- & Verlagskultur.

Warum beginne ich den Abschnitt zum Thema Medien direkt mit dem Thema Manipulation?

Ganz einfach – weil in Krisenzeiten Qualität und Breite der Informationen abnehmen.

Dazu haben wir heutzutage noch weitere Faktoren, die ungünstig dazukommen.

Wurden Medien früher zu großen Teilen noch vom Konsumenten finanziert, so finanzieren sie sich heute vor allem über Werbung und neuen Formen wie Spendengelder. Da der Verkauf von Anzeigeflächen nicht mehr ausreichend wirtschaftlich ist und Content im Look & Feel des Mediums für den Werbetreibenden effektiver, wird nicht selten direkt die Berichterstattung gekauft (Content Marketing). Korrekterweise oft mit Kennzeichnung, häufig wird darauf aber auch verzichtet. Dazu kommt die schiere Fülle an Informationen aus dem Netz, die den Journalismus in eine Konkurrenzsituation mit schlechter recherchierten, schnelleren und emotional stärker aufgeladenen Inhalten zwingt.

Die Folge ist Anpassung an soziale Medien. Journalisten beziehen ihre Informationen nicht selten selbst über Twitter, geben Inhalte von Nachrichtenagenturen im modifizierten Wortlaut weiter und ringen mit Reizbegriffen, emotionalisierter Sprache und einseitiger Haltung um Aufmerksamkeit. Zeit und Mühe kann man sich nur in kleinen Dosen leisten, der Rest muss vor allem schnell verfügbar und auffällig sein.

Abseits der medialen Hauptstraßen, führen verschiedene Informationspfade zu den ungeliebten Stiefkindern des Internets. Dort tummeln sich ausgebootete Ex-Journalisten, private Blogger, hochrangige Experten, Doofköppe mit Website, religiöse Spinner, feine Geister, politische Randgruppen, Whistleblower, Trolle, Aktivisten und seit ein paar Jahren auch ein Haufen Bots. Für medienkompetente Geister eine Goldgrube an Informationen, für Atilla Hildmann die Grundlage einer Zweitkarriere zum Untergangspropheten und für Menschen mit dogmatischen Weltbildern eine prima Möglichkeit zur Schnellradikalisierung.

Ein recht neues Phänomen in diesem Dschungel sind Recherche-Plattformen. Weil Denken scheiße schwer ist, machen ambitionierte Jung-Journalisten dem Nutzer jetzt das Angebot, dies für ihn zu tun. Hierzulande nennen sie sich bspw. Volksverpetzer oder Correctiv. Erstere sind zumindest mit Haltung zu Rang und Namen gekommen, bei zweiteren läuft es eher umgekehrt. Ihre Aufgabe ist es nichts als die reine Wahrheit aus dem Informationswulst zu extrahieren. Fakten checken nennen sie den Prozess. Am Ende erhält eine Information, ein Gerücht oder auch schon mal eine komplette Studie das Urteil „richtig“ oder „falsch“. Wobei „falsch“ bei den Autoren beliebter zu sein scheint. Um der Ambivalenz und Widersprüchlichkeit des Lebens im Ansatz gerecht zu werden, befindet man eine Information immerhin auch mal als teilweise richtig oder falsch.

Was ich jedenfalls komplett falsch finde, ist Unabhängigkeit vorzugaukeln, obwohl bspw. mit Soros einer der größten Meinungsmacher weltweit Correctiv zu großen Teilen finanziert.

–> 6. Niemand hat die Absicht…

Nun sind Medien natürlich nicht die einzige Säule dieser Gesellschaft, die durch Fremdinteressen gesteuert ist. Wenn es darum geht das Gegenteil von dem was man sagt zu tun, ist die Politik immer noch Spitzenreiter unter den Phrasendreschern.

Checken wir doch mal eben mal selbst ein paar Fakten aus der Vergangenheit.

a.) „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten.“ (Ulbricht)

Falsch. Der Klassiker unter den Politiklügen. Geäußert im Mai 1961. Bereits zwar Monate später wurde der Bau der Berliner Mauer begonnen.

b.) „Die Rente ist sicher.“ (Blüm)

Teilweise falsch. Der Satz definierte die Karriere des quirligen CDU-Politikers, der ihn zu jener Zeit zwar bestimmt so meinte, aber später mehrfach selbstironisch widerlegte.

C.) „Nein.“ (Kohl)

Falsch 😉 Helmut Kohls Antwort auf die Frage nach Millionenspenden an die CDU war eine Lüge. Der schwergewichte Ex-Kanzler räumte später ein das Geld in bar erhalten zu haben. Ob er es gegessen hat, oder in einem Reisekoffer transportierte, ist nicht überliefert.

Schwieriger wird es da schon mit der Offenlegung von gegenwärtigen Fällen. Aktuell Regierende umfassend zu hinterfragen, würde bei vielen die Bereitschaft voraussetzen, das eigene Weltbild in Frage zu stellen.

Aber genau vor dieser speziellen Situation stehen wir. Denn es ist das System selbst, das an unserem Vertrauen, an unseren Sicherheiten und Strukturen rüttelt. Was den Machern den Spielraum für Transformation verschafft, eröffnet uns einen raren Einblick in das Zusammenspiel der internationalen Kräfte.

Und das ist letztlich die Chance für den Erhalt der Demokratie:

Hinsehen, hinter die Kulissen blicken, mitgestalten oder querstellen. Eines kann sich jedoch niemand mehr leisten – unpolitisch zu sein. Sonst wacht ihr womöglich vor den Toren der schönen, neuen Welt auf und stellt fest, dass ihr auf der #Moria-Seite des sozialen Gefälles gelandet seid.

Die neue Solidarität muss auf Mitgestaltung basieren

Maßnahmen beschlossen, keiner applaudiert mehr. Statt einem Wir-Gefühl keimt die Suche nach Schuldigen auf. Das Stimmungsbild ist ein anderes, als im März. Deshalb brauchen wir nun dringend einen anderen Umgang mit der Situation.

Die Schuldfrage beiseite legen

Das Wichtigste vorab: Niemand ist schuld. Gesellschaften sind Strukturen und Compliance ist ein statistisch ermittelbarer Wert. Wenn überhaupt, dann taugt der Plan nichts. Es ist von Seiten der Entscheider erwartbar, dass xx% der Bevölkerung die Maßnahmen nicht erfüllen kann oder will. Wer nach 8 Monaten Krise und rhetorischen Drohgebärden mit Quoten nahe 100% meint rechnen zu können, ist entweder dem Größenwahn erlegen oder hat seine Hausaufgaben in Soziologie nicht gemacht. Und wer dann denkt mit noch mehr Druck und Härte Zustimmung erzwingen zu können, kann mal Pädagogen, Unternehmensberater oder einfach Eltern fragen, wie gut sowas funktioniert.

Klar – wenn sich zwei streiten, kannst du auch einen erschlagen, damit Ruhe ist. Aber dann können wir das mit der Zivilisation auch gleich lassen.

Will sagen: Die Kirche kann nichts dafür, dass der Club zu ist. Ausländer können nichts dafür, dass Jens Spahn Schnupfen hat. Und das Kind kann schon mal gar nichts dafür, wenn Oma stirbt.

Orientierung an der Lebensrealität der Menschen

Was wir statt Schuldzuweisungen jetzt brauchen, ist eine neue Welle der Solidarität. Diesmal jedoch eine, die Kritik an der Regierung zulässt und sich an den realen Gefahren für Gesundheit in ihrer ganzen Bandbreite (!) und der Lebensrealität der Menschen orientiert.

Ich verstehe, dass es sich bei den Entscheidungen um Sicherheitsmaßnahmen handelt. Ich verstehe, dass angesichts der US-Wahlen, der weltwirtschaftlichen Lage und der verpassten Klimaziele die Hütte brennt. Und ich akzeptiere, dass ich als Laie mit widersprüchlichen Infos bzgl. des Virus leben muss und nicht nur meiner Intuition folgen kann.

ABER: Ich weiß auch, dass Gesellschaften, die es zulassen, dass über sie, statt mit ihnen entschieden wird, kaputtgehen.

Mitgestalten statt verwaltet werden

Es geht nicht darum blind gegen alles zu sein, aber wer jetzt nicht mitgestaltet, der lässt zu, dass autoritäre Strukturen entstehen. Wir brauchen offenbar einen neuen gesellschaftlichen Vertrag und können uns nicht auf der Idee ausruhen, dass alles wird wie vorher. Jetzt müssen wir aber anfangen sicherzustellen, dass wir daran teilhaben, statt von einer grenzüberschreitenden Regierung im Godmode zunehmend verwaltet zu werden.

Wir leben immer noch in einer Demokratie, deshalb ist es nun an der Zeit ihre Mittel zu nutzen: Interessengruppen bilden, die Opposition stärken, in den Dialog mit der Lokalpolitik treten und Kompromisse erarbeiten. Und habt keine Angst vor Etiketten – wer im Sinne des Humanismus handelt, der handelt nach bestem Wissen und Gewissen.

5 Corona-Perspektiven: Was Menschen in der Krise bewegt

Was für ein Jahr…

das uns allen in den Knochen steckt. Wir brauchen jetzt viel Verständnis füreinander, um gut durch den Winter zu kommen. Danach wird es besser. Versprochen!

Denn vieles deutet auf Lösungsfindungen bis Mitte nächsten Jahres hin und eines ist sowieso klar: Nach dem Winter kommt der Frühling. So oder so.

Ich möchte mit diesem Text einen Beitrag dazu leisten, dass wir nicht in unseren Positionen verhärten und uns die Offenheit und Empathie füreinander bewahren. Die Personen sind fiktiv und stehen für verschiedene Archetypen, die ich über die letzten Monate antraf.

Stefan (32), Front End Developer

Stefan sitzt an seinem Computer und haut mit der Faust auf den Tisch. Er versteht nicht, warum es anderen Leuten so schwer fällt die Regeln einzuhalten, damit schlimmeres vermieden werden kann. Warum können die nicht einfach die Realität akzeptieren und sich zusammenreißen, statt über Diktatur und andere Hirngespinste zu schwadronieren? Und was soll so schlimm an einer Maske sein? Selbst wenn sie nur wenig hilft – besser als nichts. Symbolisch sieht er darin auch kein Problem. Die Maske steht für Solidarität mit den Mitmenschen. Natürlich hat er sie auch schon mal runtergezogen, wenn er in der Bahn einen trockenen Hals hatte und einen Schluck trinken musste. Oder wenn wirklich gar niemand sonst ringsherum war. Klar ist das Ding nicht bequem, aber es ist ja nicht für immer und Ehrensache andere zu schützen.

Heike (41), FREELANCERIN

Heike kommt gerade aus Berlin zurück, lässt sich aufs Bett fallen und weint. Zu viele Eindrücke. So viel das gerade passiert und hier Zuhause wird ihr wieder niemand zuhören. Ihr Leben lang war sie gegen Nazis und sie erträgt es nach wie vor kaum, als Teil der Kritiker so genannt zu werden. Links / rechts ist doch gar nicht das Thema hier. Eher oben / unten. Oder autoritär / liberal. Verzweifelt sieht sie nun, wie andere redliche Leute als Rechte, Idioten und Verharmloser stigmatisiert werden. Zu oft hat sie mittlerweile erlebt, wie schnell Menschen gemobbt, entlassen und aus sozialen Netzwerken entfernt werden. Sie hat Angst, dass ihr das auch passiert. Und eigentlich versteht sie das beklemmende Gefühl auch, bspw. dicht an dicht mit Leuten in der Bahn zu stehen. Aber versteht denn niemand, dass das Virus vielleicht bald unser kleinstes Problem ist?

Monika (36), Vertriebsassistentin & Mutter

Monika wäre durchaus manchmal daran interessiert, was man nun glauben kann und was nicht. Aber für so einen Kram hat sie keine Zeit. Sie muss sich darum kümmern, dass der Laden läuft. Als Alleinerziehende mit dem völlig durcheinandergewirbelten Alltag klarzukommen geht ihr mächtig an die Substanz. Ständig erzählt irgendjemand was anderes und das stresst einfach nur noch. Die Kids kommen oft völlig fertig nach Hause, aber bleiben tapfer. Sie ist stolz auf die beiden, aber es bricht ihr das Herz zu sehen wie ermattet die sonst so lebensfrohen Rabauken sind. Sie spürt das wahrscheinlich mehr, als ihre Kinder selbst.

Sammy (22), Trainee Application management

Sammy sieht das alles nicht so eng. So langsam könnte zwar mal gut sein, aber er konzentriert sich auf die Zeit nach Corona. Homeoffice darf gerne bleiben, er will aber öfter ins Fitnesstudio, da er zum ersten Mal einen Bauchansatz bei sich festgestellt hat. Mit Spinnern will er nichts zu tun haben und er hält sich an die Regeln. Das Gelaber in Supermärkten und Bahnhöfen kann er sich aber nicht mehr anhören. Corona hier, Corona da. Mittlerweile geht er fast nur noch mit Köpfhörern raus. Die Maske hat er immer dabei, aber einmal hat er sie vergessen und den Pulli hochgezogen. Die Kassiererin ließ ihn nicht rein. Das fand Sammy so übertrieben, dass er jetzt immer in einen anderen Laden geht.

KATHARINA (38) & Milan (42), Gastronomen

Katharina und Milan sind verzweifelt. Letztes Jahr sind sie zusammengezogen und haben gleichzeitig ihren Traum verwirklicht eine eigene Bar zu betreiben. Ausgerechnet jetzt muss sowas passieren. Sie lieben sich, aber streiten in letzter Zeit viel zu oft. Die Nerven liegen blank. Zwar gab es erst mal Unterstützung vom Staat, aber die Ressourcen sind lange aufgebracht und was sie möglicherweise zurückzahlen müssen, haben sie immer noch nicht verstanden. Wie die Zukunft aussehen soll, wissen sie nicht.

Lebensrealitäten und die digitale Welt

Im Internet hatten sie alle schon mal beiläufig Kontakt miteinander. Monika schreibt aber gar nichts mehr, weil sie keine Zeit und Lust hat missverstanden zu werden. Ab und zu kann sie sich aber nicht beherrschen. Doch sagt sie mal ihre Meinung, kommen direkt die blöden Kommentare, vor denen sie Angst hatte. Warum sind die Menschen so zynisch und grausam geworden? Stefan hat Monika längst geblockt. Sie ging ihm mit ihren Bildersprüchen aus zweifelhafter Quelle auf die Nerven. Katharina und Milan sind in einer Facebook-Gruppe für die Rettung der Gastronomie- & Veranstaltungswirtschaft angemeldet. Auf ihre Fragen zu Corona-Hilfen antwortete unter anderem Heike. Sie ist selbst Künstlerin und hatte einige wirklich gute Tipps für die beiden. Irgendwann wurde es Katharina und Milan aber zu politisch. Mit zwiespältigem Gefühl schalteten sie Heike stumm. Lieber so, als undankbar rüberzukommen und was blödes zu sagen. Sammy zockt lieber. Manchmal ist er so gestresst von dem Scheiß, den die Leute schreiben, dass er in Kommentaren herumtrollt um sich abzureagieren. Beim zocken geht ihm so ein Verhalten aber auf den Sack. Stefan sieht das anders. Videogames sind eine perfekte Möglichkeit sich abzureagieren. In einer GTA Online Session traf er auf Sammy, der das Spiel nur gelegentlich zockt. Stefan machte sich einen Spaß daraus sich auf Sammy einzuschießen, bis dieser genervt die Session verließ und Stefan noch eine Beschimpfung hinterließ. Stefan kann schlechte Verlierer und Gossensprache nicht leiden. Deshalb meldetet er Sammy umgehend.

Newstime

Am Abend die Nachrichten:

„Berlin: Zweiter Lockdown beschlossen, Washington: Trump kündigt an die drohende Wahlniederlage nicht zu akzeptieren, Taiwan: Gespräche mit China gescheitert.“

Stefan seufzt. Und das nachdem er heute erst wieder lesen musste, dass die globale Erderwärmung die Prognosen bei weitem noch übertrifft und wir die Entwicklung kaum noch in der Hand haben. Was für eine beschissene Zeit. Und diese verdammten Egoisten meinen, es gehe nur um sie. Dabei müssten wir jetzt alle mal an einem Strang ziehen, damit das alles endlich zu bewältigen ist.

Heike nimmt vor allem die Bilder und die Sprache in der Berichterstattung wahr. Die suggestive Verächtlichmachung der Mitdemonstranten durch aus dem Kontext gerissene Einstellungen und Zitate. Ihr fällt auf, dass Fallzahlen wieder Infektionen genannt werden. Dass wieder niemand berücksichtigt, was alles durch die Maßnahmen kaputtgemacht wird. Die permanente Manipulation und Unaufrichtigkeit erträgt sie nicht mehr. Sie findet, dass es unbedingt einen offenen und aufrichtigen Dialog geben muss, damit Lösungen gefunden werden können.

Monika ist hin- und hergerissen. Sie fühlt sich verarscht, aber hat auch kein Verständnis für Leute, die sich jetzt nicht zusammenreißen. Und wieder kein Wort, wann mit der Impfung zu rechnen ist. Wie lange soll das noch so weitergehen? Und immer wieder kommt jemand und sagt was anderes. Können die sich jetzt nicht langsam mal einig sein?

Sammy findet, dass ein Lockdown die beste Idee ist. Lieber nochmal kurz und schmerzlos und nächstes Jahr dann wieder durchstarten. Hoffentlich macht Trump keinen Stress. Corona reicht.

Milan hat einen Wutausbruch. Es reiche ihm jetzt und es ist ihm langsam egal, ob er ein Covidiot genannt wird. Das nächste Mal gehe er auch auf die Straße. Katharina weint und weiß nicht was sie sagen soll. Was richtig oder falsch ist. Ihr Herz sagt sie solle Geduld haben und Vertrauen, ihr Verstand sagt, es könne so nicht weitergehen. Milan beruhigt sich wieder. In einem klärenden Gespräch beschließen sie von der Idee der Bar loszulassen, das Gewerbe aufzugeben und ohne selbst gemachten Druck zu überlegen, wie es weitergehen soll. Dann schweigen sie Schulter an Schulter. Katharina durchbricht die Stille und sagt leise: „Weißt du was ich mir wünsche? Dass es die Menschen endlich wieder schaffen aufeinander zuzugehen.“ Milan nickt: „So wie wir gerade?“ Katharina lächelt ihren Freund stolz an und gibt ihm einen Kuss: „So wie wir!“

Das neue Schwarz-Weiß

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Die Maske ist Hegemonie
Flagge platziert, Gegner besiegt
Technokratie
Erobertes Denken
ohne Blut, ohne Krieg

Maschinen-Herzen, synchronisiert
auf fernöstliche Beats konditioniert
Umprogrammiert
Gleichschritt ist sexy
Menschsein verliert

Grellbunter Nebel im Scheinwerferlicht
Das neue Schwarz-Weiß
Und der Westen zerbricht

07/2020

Achtung, Baustelle: Denken auf eigene Gefahr

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Bleib Zuhause. Du bist für das System nicht relevant. Haltet Abstand voneinander und bedeckt euer Gesicht. Der Kapitalismus ist vorbei und damit das zügellose Wachstum. Zeit aufzuräumen, Schmutz unter den Teppich zu kehren und Altlasten loszuwerden.

Während wir überlegen, wie wir leben werden, wenn unsere Arbeitsleistung nicht mehr benötigt wird und unser Konsum ein Problem für die Umwelt darstellt, haben die Vordenker und Entscheider im Weltgeschehen wohl schon die Antwort für Millionen von uns parat: „Gar nicht.“ Und so verteilt die halbwissende Politik nun Geldgeschenke als Henkersmahlzeit. Müssen uns ja nicht mehr lange durchfüttern. Geld ist außerdem eh bald nichts mehr wert. Raus damit. Selbstverständlich begünstigt das nicht jeden, aber es reicht, um den Unmut vorerst unter Kontrolle zu halten.

Und dann sind da die Medien. Die Storyteller. Die Spalter und Welterklärer. Die schlecht bezahlten Enthusiasten, die schwurbelnden Narzissten, die indoktrinierten Chefredakteure und ihre gesponserten wie machtbesessenen Verlage. Wiederkäuer von PR-Meldungen und Presseagenturen-Content der Sorte Reuters, dpa und Bloomberg. Finanziell abhängige Strukturen. Bestenfalls der Ablenkung und Zerstreuung dienend. Schlimmstenfalls der Hetze oder dem beklatschen der eigenen Kleingeistigkeit. Nur in wenigen hellen Momenten der Wahrhaftigkeit verpflichtet.

Es gäbe ja durchaus kompetente Stimmen, die nach bestem Wissen und Gewissen handeln. Aber wie man es massenpsychologisch geschafft hat den öffentlichen Dialog zu entdemokratisieren und hoch angesehene Forscher, Mediziner oder Wissenschaftler zum Gespött des denkfaulen Mobs zu machen, ist mir nach wie vor ein Rätsel. Wahrscheinlich braucht man dafür mehr, als soziologisches Laien-Interesse. Vielleicht hilft die Stiftung Corona Ausschuss diese Stimmen hörbarer zu machen. 

Ja und vielleicht musste alles auch so kommen. Vielleicht kann man einzelnen Köpfen nicht die Verantwortung für soziale Dynamiken zuschreiben. Womöglich ist unser Wille niemals frei gewesen, nur ein Zahnrad im Lauf der Dinge. Dass es „bald krachen“ müsse, wussten wir zudem alle. Und dennoch – wer überzeugt davon ist des autonomen Denkens fähig zu sein, möge davon Gebrauch machen. Oder eben Zuarbeiter eines von elitären Technokraten orchestrierten Paradigmenwechsels sein, dem mangels Transparenz bislang kaum jemand freiwillig zugestimmt hat.

Too long, didn’t tweet: Standortbestimmung

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Politische Komplexität ist für sich schon eine Last. Diese immerzu unfertigen Gedanken mit der Öffentlichkeit zu teilen, ein zusätzlicher Konflikt. Trotzdem halte ich es für richtig sich zu positionieren und der impulsiven Twitter-Kultur einen ruhigen Ton entgegenzusetzen.

Ich neige dazu tagesaktuelle Ereignisse als Symptom ihrer Umstände zu begreifen. Finde Soziologie faszinierend, versuche den Kontext zu verstehen. Deshalb sieht man mich in den sozialen Medien überwiegend schlichtend auf politische Diskussionen reagieren. Hin und wieder auf Zusammenhänge verweisend. Mehr ins Detail zu gehen, halte ich angesichts der Unmittelbarkeit und Oberflächlichkeit von Twitter und co. für wenig zielführend.

Wieso keine Empörung?

Bin ich denn nicht empört über die Tatsache, dass ein rechtskonservativer, erzkapitalistischer und würdeloser Narzisst die wohl mächtigste Nation der Welt vertritt? Dass seine Amtsenthebung letztlich gescheitert ist? Habe ich denn keine Angst davor, dass sich die Geschichte des Nationalsozialismus hierzulande wiederholt?

Habe ich denn keine Angst davor, dass sich die Geschichte des Nationalsozialismus hierzulande wiederholt?

Doch, aber das halte ich sowieso für selbstverständlich und damit ist es auch nicht getan. Keine Flagge, kein Meme, kein Hashtag – nichts davon wird Frieden bringen und nichts davon hilft zu verstehen, wie sich die Dinge derart entwickeln konnten. Ich versuche vielmehr einen möglichst ungetrübten Blick auf soziale, kulturelle und wirtschaftliche Dynamiken zu werfen. Das schafft meiner Ansicht nach erst die Voraussetzung das Weltgeschehen verantwortungsvoll, weitblickend und von populären Schablonen unbeeindruckt zu reflektieren.

Die täglichen Wortgefechte und die ständige Distanzierung zur Gegenseite halte ich ebenfalls für unnötig. Im schlimmsten Falle erschafft man auf diese Weise Märtyrer. Da ich davon überzeugt bin, dass sich überzeugte Rechte nicht bekehren lassen, die wenigsten derer Unterstützer im reinrassigen (sic!) Sinne jedoch rechts sind, sehe ich die Verantwortung der Politik darin, den sozial gefährdeten Schichten ein attraktiveres Angebot zu machen.

Die Kräfte, die sich solchen produktiven Maßnahmen entgegenstellen, erfordern sehr viel mehr Aufmerksamkeit, als der ein oder andere nicht ganz helle Mitbürger mit zweifelhaften Ansichten. Alarmierend sind m.E. die mehrfachen Versuche von Lobbyist und Gelegenheitspolitiker Friedrich Merz sich für eine Kanzlerschaftskandidatur ins Spiel zu bringen. Ein Mensch, der in den jetzigen Machtverhältnissen auf Bundesebene mehr Schaden anrichten kann, als jeder extremistische Provinz-Politiker.

Splitterwelten

Wenn mich also etwas empört, dann der breitflächige Unwille sich mit den brennenden sozialen Fragen auseinandersetzen. Dass stattdessen zahlreiche, untereinander konkurrierende Identitätsblasen aufpoppen und Alleinanspruch auf linke Werte erheben. Dass deren Vertreter so blind für das Allgemeinwohl und so eingenommen von ihren Mikrokosmen sind, um nicht zu merken, dass das was sie von rechts fürchten (Ausgrenzung, Abwertung, narzisstische Überhöhung der eigenen Peer-Group), von ihnen selbst gelebt wird. In Sachen Solidarität und Humanismus ist von dieser Klientel nicht viel zu erwarten. Der Schlüssel für eine gesunde Gesellschaft liegt m.E. in der Geschlossenheit des linken Spektrums. In den Werten, auf die man sich einigt. Aber Feuer mit Feuer zu bekämpfen, Freund und Feind nicht auseinanderhalten zu können, seinerseits arrogant, aggressiv und infantil aufzutreten, simplifizierte Welt- & Feindbilder zu propagieren – das kann nicht der Gegenentwurf zur neuen Rechten sein. Meiner Beobachtung nach schaukeln sich beide Phänomene eher gegenseitig hoch.

Der Schlüssel für eine gesunde Gesellschaft liegt in der Geschlossenheit des linken Spektrums.

Zwischen den Stühlen

Jetzt wäre es aber auch viel zu einfach den Identitären die Schuld für das heutige politische Klima zuzuschreiben. Daran arbeiten wir alle kräftig mit. Allerdings ist die linksliberale, postmoderne Erzählung quer durch alle Medienformate so übermächtig, dass meine Antenne für Einseitigkeiten aus dieser Ecke mit der Zeit sensibilisiert wurde. Speziell die übereifrige Abfertigung jeglicher Kritik an den rigiden Zuspitzungen dieser Bubble ist ein großes Problem. Wer nicht konform geht, bekommt direkt den Ausgang gezeigt. Da brauchen die Rechten nur noch die Türe aufzuhalten, den Rest der Arbeit erledigen Journalismus und soziale Medien alleine. Lässt man sich nicht durch diese Türe schubsen, landet man erst mal zwischen den politischen Stühlen, kann sich da aber wunderbar Gedanken darüber machen, was zur Hölle in den letzten Jahren eigentlich passiert ist.

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Soziale Entfremdung: Die Wurzel allen Übels

Machen wir uns nichts vor – gelitten hat in all den Irrungen und Wirrungen speziell das Menschenbild. Unabhängig von unserer politischen Gesinnung. Angefangen hat das hierzulande mit der Scharfmachung der Mittelschicht gegen sozial Schwache. Ein Gemeinschaftsprojekt der Regierung Schröder und Verlagen wie Bertelsmann und Axel Springer. Auf die Reform des Sozialstaates folgte die systematische Ausgrenzung und Verhöhnung von Arbeitslosen. Ausgerechnet die SPD brach mit der Solidarität, um ein System des Mobbings, der Bestrafung und des Zwangs zu etablieren. Zahlreiche Billig-TV-Formate gaben vor die Realität abzubilden, stellten aber vor allem oftmals Menschen mit leichten geistigen Behinderungen bloß, um eindimensionale Archetypen zu erschaffen, an denen sich Billiglöhner und andere frustrierte Mittelschichtler abarbeiten konnten.

Auf dem Nährboden des sozialen Frusts und dem Umbau in ein Billiglohnland breiteten sich Zynismus, Resignation, Konkurrenzdenken, Hass auf Andere oder Andersartige aus. Auch Akademiker blieben von den Veränderungen nicht verschont. Studiengänge wurden gestrafft, Studiengebühren setzten Studierende unter Druck und die Konkurrenz wurde durch immer mehr Abiturienten größer. Dazu kamen infrastrukturelle Defizite, da die CDU beschloss Haushaltsüberschüsse nicht zu reinvestieren, zunehmende Kosten durch Privatisierungen oder steigende Mieten. Praktika und befristete Arbeitsverträge sorgten zudem auch nach dem Studium für eine dauerhaft angespannte finanzielle Situation.

Die Sprache wurde härter, die Ellbogen fester ausgefahren, unter jungen Intellektuellen verdrängte giftiger Sarkasmus den feinen Witz leichtfüßigerer Vorgängergenerationen. Das Internet förderte die Neusortierung des Umfelds in Gleichgesinnte und verdrängte organisch gewachsene, vielfältige Freundes- und Bekanntenkreise. Gemeinsam einsam hat sich die fragmentierte Gesellschaft mittlerweile voneinander entfremdet. Der Argwohn dominiert das Verhältnis zu Fremden. Der Wunsch nach Nähe die fragilen Beziehungen, denen oft die digitale Kommunikation beim Wachstum im Wege steht.

Menschenhass, Tierliebe & Klimaschutz

Gleichermaßen hatten wir durch soziale Medien erstmals breitflächigen Zugang zu Bildern, die den Schmutz, die Unarten und die moralische Verwahrlosung der Industrien ungeschönt darstellten. Ein Schock für unbedarftere Gemüter und Bestätigung für diejenigen, die es ohnehin mehr oder weniger wussten. Auf jeden Fall erfuhren wir vieles, das unser Vertrauen nachhaltig erschütterte. Vor allem die Tierhaltung und den Umweltschutz betreffend. Auch hier mündete der Kulturschock in der Entstehung neuer Interessengruppen und Feindbilder. Menschenhass wurde zunehmend salonfähig. Auch bei den Linken. Behelfsmäßig suchte sich das kollektive Bewusstsein greifbare Schuldige. Die parallel um Gehör und Sichtbarkeit kämpfenden Minderheiten boten dem Zeitgeist eine passende Plattform, in deren Fahrwasser sich verschiedenste Ideologien und Interessen anschlossen. Eher schlecht kam dabei der Mann weg. Bzw. das klassische Bild des Mannes. Und so entstand über Jahre eine etwas merkwürdig anmutende Hybridkultur, die zumindest die klaffende Lücke schloss, welche vorangegangene Generationen in Sachen Jugendbewegungen hinterließen. Plakativ heruntergebrochen ergibt sich nun ein Bild, das ansatzweise an Momo von Michael Ende erinnert: Das bunte Mädchen und ihr Kampf gegen die grauen Herren. Das Buch habe ich als Kind geliebt, die Realität ist komplizierter. Denn der graue Herr definiert sich oft nicht selbst – die Rolle wird ihm von den Momos zugeschrieben. Und dann soll er wegen ein paar inhaltlicher Reibungspunkte plötzlich der Feind sein. Manchmal gar nur durch seine bloße Teilhabe an einem Dialog. Ich möchte nicht wissen wo Trump heute wäre, hätte der Geschlechter-Konflikt die USA nicht lange vor seiner Wahl schon beschäftigt. Auch der Umwelt- & Klimaschutz tut sich keinen Gefallen damit, seine Themen mit Weiblichkeit, Jugend und queerer Kultur zu assoziieren. Er geht uns alle etwas an und zumindest in diesem Boot sitzen wir als Menschheit zusammen. Fundamentale Probleme brauchen offene Herzen, kein dogmatisches Schubladendenken. „Spaltung“ wird in Retrospektive ein Schlagwort in der geschichtlichen Einordnung dieser Zeit sein.

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Wo stehe ich also?

Ich habe mich früh dazu entschieden mich als Person zu positionieren. Ich bewege mich nicht mit einer Partei oder eine Bewegung mit. Ich überprüfe meine Werte und die Entsprechungen in der politischen Landschaft immer wieder neu auf Übereinstimmungen. So war ich bspw. einmal Mitglied der Linkspartei und bin u.a. aufgrund von Antisemitismus wieder ausgetreten. Das passte für mich nicht mehr. Aktuell betrachte ich die Neustrukturierung der SPD mit Interesse. Die Partei scheint zu gesunden, zumal sie für Lobbyisten mangels Mehrheiten immer uninteressanter wurde. Ich empfand die „Aufstehen„-Aktion von Sarah Wagenknecht als das richtige Signal. Schade, dass es nicht im erhofften Sinne angenommen wurde. Obwohl ich den Umweltschutz für wichtig erachte, sind die Grünen für mein Empfinden zu weit ins liberale Spektrum abgerutscht. Neben denen der AfD, finde ich einige der Thesen aus diesem Lager am abenteuerlichsten. CDU und FDP sind Zuarbeiter der Lobbyisten, Kriegstreiber, sowie Architekten des Gebildes Leistungs- & Dumping-Gesellschaft. Damit sind sie am weitesten von meinen Prinzipien entfernt. Ich betrachte mich als Humanist. Als Demokrat. Als Linker im sozialdemokratischen Sinne. Ich höre jedem zu und bevorzuge eine fundierte Haltung gegenüber einer mir nahestehenden ohne Substanz. Ich bin ein Typ aus der Generation X – ihr wisst schon – die Grunge-Typen, über die heute keiner mehr redet. Zu jung für den Boomer, zu alt für die Digital Natives. Ich schätze ich bin der Mann aus der Mitte.

Eine Gemütsäußerung ist keine Haltung!

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Ich will mit einem Satz beginnen, der schön klingt. Die netzkompatible Selbstzensur ist so in meinem Kopf verankert, dass ich verlernt habe einfach drauflos zu schreiben.

Und weil ich so bin, denke ich alle sind so. Umso mehr überraschte es mich gerade zu lesen, dass eine Frau nach mehreren wütenden Tweets über ihren Betrüger-Mann auf Nachfrage plötzlich einräumte, dass natürlich vieles an ihm gut war und sie sich ja gerade nur die Wut von der Seele schreibe.

Eigentlich sollte es mich nicht überraschen, denn für viele Leute ist das Internet einfach sekundäres Kommunikationsmedium. Da wird der Seelenmüll abgeladen. So wie früher im Tagebuch. Da werden Menschen mit verseuchten Atomkraftwerken verglichen und man denkt allzu schnell, dass so eine Äußerung von einer fürchterlichen Person kommen müsse. Aber es ist einfach nur situativer Abfall. Früher auf ein Papier gekrakelt, zerknüllt und weggeworfen, heute anderen Leuten vor die Füße geknallt. Besonders war an diesem Fall nur, dass sich die Frau mit so einer Selbstverständlichkeit unmittelbar von ihren Aussagen distanzierte, dass mein innerer Richter quasi an Ort und Stelle entlarvt wurde.

Aber weil so viele Menschen ihren Seelenmüll im Netz abladen, so wenige damit umgehen können und alle ungefiltert und sofort reagieren können, haben wir nun die viel zitierte „toxische“ Kommunikation in den sozial genannten Medien. Wir zerfleischen und radikalisieren uns, weil wir den Müll entweder aufnehmen oder aus Abwehr heraus dem Absender mit Nachdruck zurück spiegeln. Eigentlich keine neue Erkenntnis, aber scheinbar habe ich eine Auffrischung benötigt. Deshalb für mich selbst zum langsam mitlesen:

Eine Gemütsäußerung ist keine Haltung!

Jetzt ist das für meine Generation und alle anderen „analogen“ Menschen irgendwo klar und Schattierungen bereiten uns im echten Leben wenig Probleme. Wir akzeptieren Ambivalenz als normalen Zustand. Deswegen sagt man ja auch, es solle nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt werden.

Bei jüngeren Menschen hingegen beobachte ich ein zunehmendes Roboter-Denken: Null oder Eins, ja oder nein, gut oder böse. Es kann ältere aber genauso erwischen, wenn sie bspw. mehr Zeit in digitalen Sphären verbringen als lebendige Gespräche unter vier Augen zu führen. Trotzdem werden wir alle zunehmend mit gerastertem Denken konfrontiert. Und wir verblöden nicht nur daran, es frisst vor allem die Fähigkeit auf Empathie zu empfinden. Zudem ist es für ein gleichgeschaltetes Gehirn ja auch enorm anstrengend immer auf Linie mit einer vorgefassten Schablone zu bleiben. Das geht nur, wenn man unliebsame Fakten und valide Argumente ignoriert. Der dazu nötige Verdrängungsmechanismus kann gut und gerne die ein oder andere kognitive Dissonanz erzeugen. Oder vielleicht hört das Gehirn irgendwann auch mal auf sich zu wehren. Ich weiß es nicht.

Was ich jedenfalls weiß – der kleine Reminder hat gut getan. Deshalb nochmal:

Eine Gemütsäußerung ist keine Haltung!

Mein (Musik-)Jahr 2019

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2019 stand für mich im Zeichen der Ausgleichsfindung. Ein neuer Lebensabschnitt begann im Jahr zuvor und nun ging es darum sich zu festigen, zu positionieren und sich auszuprobieren. Die Musik wurde wieder ein größerer Bestandteil meines Lebens und ich startete einen eigenen PODCAST. Zudem verlor ich nochmal jede Menge Gewicht und kratze endlich an der Zweistelligkeit.

Das 2018 ins Leben gerufene Projekt THE CROW & THE PHENIX wurde weiterverfolgt und dieser Song hier ist in meinen Augen sogar ein richtiger Düster-Hit geworden;

Meine gute alte Band MIRRORED IN SECRECY wird von mir weiterhin im Alleingang gepflegt, bis die Zeit günstig ist nochmal eine Liveband daraus zu stricken. Der neue Song „U N D Y I N G“ steht kurz vor der Veröffentlichung:

Beide Projekte sind – in Verbindung mit anderen Symbolen meiner Musikerlaufbahn – in mein erstes Tattoo gefloßen, welches ich mir im Frühjahr von Tattookünstler Andy (Robs Tätowierstube) stechen ließ:

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Im Februar bekam ich zudem eine neue Mitbewohnerin. Die 5-jährige Griechin Kalli, deren maunzen, schnurren, nörgeln, schmusen und toben mir das Jahr versüßt hat:

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Kalli sollte im Juli einen Kumpel bekommen, leider war der süße Kater Grey, den ich ebenfalls aus Griechenland einfliegen ließ unheilbar krank und verstarb schon bald.

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Ich kannte den kleinen Zwerg kaum, aber ihn leiden zu sehen, gehörte zu meinen schlimmsten Erlebnissen in diesem Jahr. Machs gut, kleiner Mann! War mir trotzdem eine Freude dich kennengelernt zu haben ❤

Ein paar interessante und schöne Begegnungen gab es auch noch. Ich habe mich getraut Frauen zu daten dabei gute und schlechte Erfahrungen gemacht. Ganz besonders freue ich mich über den guten Kontakt mit C. aus Augsburg. Außerdem habe ich meinen Jugendhelden, den Wrestler Undertaker, getroffen und meine Halbschwester endlich kennengelernt.

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Aber kommen wir nun zu den obligtorischen Musik-Highlights, die einmal mehr für meine Verhältnisse recht konservativ ausfielen. Vermutlich suche ich im persönlichen Wandel eher Vertrautes in der Musik.

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Ein neues Projekt ehemaliger KATATONIA-Musiker. Der Background klingt durch, etwas post-rockig ist es auch. Die Stimme fügt sich wunderbar ein, wenngleich sie etwas charismatischer für diesen Stil sein könnte. Trotzdem durch und durch ein schöner Song.

SONGS 2019

1. LACRIMAS PROFUNDERE – The Reaper

2019 war ganz klar ein LACRIMAS PROFUNDERE Jahr für mich. Tolles Album, tolle Liveshow und gleich mehrere Songs, die hier hätten landen können. Als Fan von melancholischen Dark Rock Ohrwürmern der Marke HIM finde ich diesen Song aber am prägnantesten.

2. THE 69 EYES – 27 & Done

In eine ähnliche Kerbe schlägt das lakonische „27 & Done“ von den international noch etwas bekannteren THE 69 EYES. Ein wunderbar sarkastischer Song über den alten „Club 27“ Rock ’n‘ Roll Mythos. Eine späte Hymne der Bandhistorie.

3. RAMMSTEIN – Deutschland

Die großen Provokateure gießen mal wieder Öl ins Feuer und nehmen dabei nicht zuletzt auch sich selbst auf die Schippe. Mit dem Phänomen Rammstein verbinde ich eine kleine Hassliebe. Manchmal deutschtümelt es mir auch auf Satire-Ebene zu sehr, manchmal bringen sie ihr Ding aber auch einfach nur gut auf den Punkt. „Deutschland“ hat mich jedenfalls nicht kalt gelassen, das Video ist qualitativ auf höchstem Standard und musikalisch mag ich den Song sowieso.

4. LACUNA COIL – Layers Of Time

Lacuna Coil sind – verzeiht die althergebrachte Metapher – wie guter, alter Wein. Seit einigen Jahren jagt ein Qualitätsalbum das nächste. Man fragt sich wo die stramm auf die 50 zugehenden Musiker-/Innen die Energie hernehmen mit zunehmendem Alter sogar noch eine Schippe draufzulegen. Und die im Jungbrunnen badende Cristina Scabbia ist nach wie vor sowieso eine sexy Erscheinung 😉

5. DELAIN – Masters Of Destiny

Eine weitere Female Fronted Metal-Band in meinen Top 5. Ja, der Song ist etwas cheesy. DELAIN halt. Aber was mich wirklich umhaut ist die Power der Stimme ab 0:54 und der produktionstechnische Kniff darüber dann noch eine kräftigere Lead-Stimme zu legen. Das ist gesanglich und tontechnisch schon großes Kino.

ENTTÄUSCHUNG 2019

So richtig enttäuscht hat mich in diesem Jahr musikalisch nichts. Ich war ein wenig schockiert über die Selbstdemontage von MANOWAR. Aber das ist ja im Prinzip eh schon immer unfreiwillige Comedy gewesen, die mich früher zumindest musikalisch aber mal angemacht hat. Eine kleine Enttäuschung war der Produzentenwechsel bei AMON AMARTH. Die lebten ja in den letzten Jahren von Andy Sneap Sound. Die schlappe Produktion von „Berserker“ legt die Schwächen im Songwriting frei, das mit seiner simplen Einfallslosigkeit heutzutage keinen Blumentopf mehr gewinnt.

KONZERT 2019

Wie schon im Vorjahr – LACRIMAS PROFUNDERE. Das Konzert mit THE 69 EYES in Köln war ein super Package. Wir hatten auch mal wieder die Gelegenheit mit den Muckern zu quatschen. Mein Kumpel J. und ich hatten sowohl als Veranstalter, als auch als Musikerkollegen mehrfach mit der Band zu tun. Trotzdem empfinde ich ein gewisses Fanboy-Feeling im Austausch mit den Kollegen. Hätte ich früher unprofessionell gefunden, heute bin ich froh, dass ich mir das erhalten habe.

PERSÖNLICHES

Diesmal habe ich eigentlich schon alles im Eingangstext abgefrühstückt. Zusammengefasst würde ich das Jahr als objektiv erfolgreich und subjektiv anstrengend einordnen. Ich bin auf jeden Fall wieder näher bei mir selbst, habe gewisse Vorstellungen von meiner weiteren Lebensplanung, gute Freundschaften gefestigt und Dinge die ich gerne und mit Herzblut verfolge. Das ist ein guter Ausgangspunkt.

Was lief gut in 2019?

Wie schon letztes Jahr, war ich wirklich sehr hartnäckig und großteils erfolgreich dabei, meine selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Gesundheit und Gewicht sind objektiv annähernd im Normbereich. Für jemanden, der mal ein echtes Schwergewicht war, eine gute Leistung. Ich habe meine Scheu vor Sport abgelegt, auch wenn im Winter nichts mehr ging. Ich habe wie gesagt eine Menge Leute kennengelernt und der Podcast war eine verdammt gute Idee.

Was war eine Herausforderung?

Finanziell stehe ich nach wie vor nicht gut da. Die Idee das freiberuflich je zufriedenstellend lösen zu können, habe ich nahezu aufgegeben. Allerdings war der Plan auch Teilzeit & Selbstständigkeit in Kombination. Mal sehen wie es nächstes Jahr läuft. Die mentale Gesundheit ist nach wie vor ein großer Bremsklotz. Ich nehme Medikamente, aber das ist Fluch und Segen. Im Herbst habe ich versehentlich überdosiert und lag mit Tachykardie eine Nacht im Krankenhaus. Das möchte ich so schnell nicht mehr erleben.

Womit habe ich neu begonnen?

Jo, regelmäßiger Sport wie gesagt, Podcasting, Dating. Alles recht aktive Dinge, was ich sehr schön finde. Meine sonstigen Hobbys sind ja eher medienlastig.

Was wünsche ich mir für 2020?

Weniger gesellschaftliche Spaltung und Aufruhr wäre schön. Finde das auch privat sehr kräftezehrend. Ich wünsche mir Kraft und Ruhe um meine monetären Ziele zu erreichen. Lieben und geliebt zu werden vermisse ich immer noch sehr, aber ich habe verstanden, dass das etwas ist das durch aktives Leben passiert. Und zum Glück bin ich dahingehend wieder bei mir selbst angekommen. Zu guter Letzt wünsche ich mir Durchhaltevermögen um weiter Gewicht zu verlieren. Es tut mir gut, ich fühle mich so mehr wie ich selbst. Es hat mich immer gestört als durchaus sensibler Mann wie eine Kante auszusehen. Ich hoffe außerdem doch noch eine zweite Katze mit Kalli vergesellschaften zu können.

Meinen Freunden und meiner Familie wünsche ich Gesundheit, viele tolle Erlebnisse und dass sie ihre Ziele ebenfalls mit Freude und Erfolg verfolgen!